|
Die
Geschichte von Sittendorf (in
dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt von Pater Dr.Augustinus Kurt Fenz)
Und was ist mit der Kirche von Sittendorf? Ist tatsächlich der älteste
Teil der Kirche der Turm? Geht er auf einen römischen Wachturm zurück?
Handelt es sich bei den ersten Ursprüngen um eine Taufkapelle aus der Römerzeit
oder wenigstens aus der karolingischen Epoche?
Die Erstlingsnennung von Sittendorf [Sichendorf, Sickendorf, Sickindorf,
Sighendorf, Sigchendorf, Sigkhendorff, Sikkendorf], Gerichtsbezirk Mödling,
geschah 1114 in einem Klosterneuburger Codex. Der dort genannte "Rupertus
de Sichendorf" ist mit dem gleichnamigen Nachbarzeugen der
Heiligenkreuzer Gründungsurkunde - auch Stiftsbrief genannt - von 1136
identisch. Dieser Sichendorfer dürfte Nachfahre eines gleichnamigen
babenbergischen Ministerialengeschlechtes sein, das schon im 11. Jh. in
Sittendorf ansässig ist, vermutlich Rodungsherren im Gebiete der heutigen
Orte Dornbach (Dornpach) - mit der wahrscheinlichen Erstlingsnennung
des Ortes 1236 - und Grub linksseitig des Sattelbaches, auf dem sie ihre
Meierhöfe zu Lindenhof, Frotzenberg, Traxelhof am Mödlingbach errichteten.
Neben ihrem Herrschaftsgebiete - dem heutigen Pfarrgebiet Sittendorf und
Dornbach - trugen sie das St. Johanns Kirchlein zu Sittendorf von den Landesfürsten
zu Lehen. Rudger von Sickendorf tritt also 1114
als Zeuge auf, 1123 mit seinem Bruder Rudpert und einem Ansholm de Sickindorf,
bei einer Seelgerätsstiftung ihres Bruders Bobpo, 1125 Rupert und Rudger mit
ihrem Bruder Rudolf, 1133-35 bewidmet Rupert die neugegründete Zisterze
Heiligenkreuz mit Besitz in Füllenberg und erscheint 1136 mit Rudger unter
den Nachbarzeugen im Stiftbrief dieses Klosters. Somit ist Sittendorf in der
Gründungsurkunde von Heiligenkreuz 1136 zweimal erwähnt: " ... contra
medietatem montis, qui dicitur Keizeruche et abhinc per viam, qua vadit ad
silvam attinentem ad villam, quae dicitur Sichendorf, abhinc ad locum, ubi
oritur rivulus, qui appellatur Marchbach ... Rudegerus et frater eius Rupertus
de Sigchendorf". - Sulz wird nicht genannt, es liegt außerhalb
des ursprünglichen Gründungsgebietes. Die Gründung von Stift Heiligenkreuz
erfolgte bereits 1133. - Ebenso wird in der Stiftungsurkunde der Dornbach
genannt, was die Dornbacher erfreut! Pater Friedrich Hlawatsch schreibt:
"Die Gründungsurkunde gab Markgraf Leopold der Heilige vor dem 3. Juni
1136 hinaus, einige Monate vor seinem Todestag, der auf den 15. November
desselben Jahres fiel, obschon eine zweifelnde Kritik das Ausstellungsjahr in
ein späteres Jahrzehnt versetzt wissen will, ohne die gleichwohl sichere
Tatsache des historischen Inhalts anzutasten - Die Urkunde lautet in deutscher
Übersetzung, welche zum ersten Mal vollständig im Drucke erscheint,
folgendermaßen: Stiftungsurkunde Im Namen der heiligen und ungeteilten
Dreieinigkeit. Allen Christgläubigen, den gegenwärtigen und zukünftigen,
mehre sich Friede und Freude für und für! Auf daß die Werke der Fürsten
und ihre Schenkungen den ehrwürdigen Stätten fest und unversehrt verbleiben,
ist es angezeigt, sie urkundlich zu vermerken, ist es angezeigt, sie mit aller
Vorsicht dem Gedächtnis der Nachkommen anzuvertrauen. Deshalb habe Ich L i u
p o l d u s, von Gottesgnaden, Markgraf von Österreich in gegenwärtiger
Urkunde niederlegen lassen, daß Ich auf Eingebung dessen, von dem alles Gute
kommt, und auf Rat Meines lieben Sohnes Otto, der sich zu Morimund dem
Zisterzienser-Orden angeschlossen hat, Brüder aus dem genannten Kloster
Morimund berufen und ihnen an dem Orte, der bisher Sattelbach hieß, jetzt
aber wegen des siegreichsten Zeichens unserer Erlösung zum heiligen Kreuze
genannt wird, eine Stätte zur Niederlassung angewiesen habe. Aus Freude an ihrem Ordensleben und in
Vorsorge um ihre Bedürftigkeit habe Ich aus eigener Machtvollkommenheit unter
Beistimmung und auf Bitten Unserer Ehegemahlin Agnes und Unserer Söhne
Albert, Heinrich, Liupold und Ernest Gott und der seligen immerwährenden
Jungfrau, Maria und den Brüdern, die sich im genannten Orte gesammelt haben
oder sammeln werden, das ringsumliegende und Unserer Gerechtsame gehörige L a
n d geschenkt mit Äckern, Wiesen, Weiden, Gewässern, Wäldern - ob bebaut
oder unbebaut - mit den Grenzen, die Wir gegeben haben und die Wir hier zu
verzeichnen für dienlich erachten. Es sind aber folgende: Von dem Zusammenfluß des Sattelbachs und
der Swechant bis Murlingen (Mayerling); von da in der Richtung des sogenannten
Mühlenweges bis zum Priventan und auf demselben Weg, der durch den Priventan
zieht, bis zum Ort, der Husruch (Hausruck) heißt, und von da wieder auf dem
genannten; Weg bis zum Sattelbach und von da in gerader Richtung bis zu einer
Anhöhe, die gewöhnlich Hoheche (Hocheck) heißt, und von da über ein Bächlein,
das Dorinbach (Dornbach) genannt wird, auf die Schneide des Berges, der
Keizeruche (Gaisruck) heißt, und von da auf dem Sichendorfer (Sittendorfer)
Waldweg und von da bis zu der Stelle, wo ein Bächlein mit Namen Marchbach
entspringt, von da auf dem Wege, der zum Draschirchner (Traiskirchner) Wege führt,
bis zur Vereinigungsstelle und von da bis zu einer Quelle, die in einem Ort,
namens Muchersdorf entspringt, und von da auf einen Berg, dessen Name
Ebenberch ist, und von da auf den Weg (Moggergraben), der zum Sattelbach
hinabführt, und flußabwärts bis zum Zusammenfluß mit der Swechant. Wir wünschen, daß diese Unsere Schenkung
und desselben Klosters Stiftung nicht nur Unserem Wohlsein und Frieden und
Unserer Ruhe, sondern auch dem Heile und Seelenfrieden Unserer in Christo
entschlafenen Eltern zum Nutzen gereichen, und hoffen, es werde Unserer
Gebrechlichkeit bei der göttlichen Barmherzigkeit einigermaßen zuträglich
sein, wenn Wir, da Wir selbst keine Frucht eines guten Werkes tun, wenigstens
diejenigen, welche wahrhaft Gott Frucht bringen, von Unserer Habe stützen,
wie die Ulme den Weinstock. Damit jedoch das, was Wir getan haben, umso
mehr bekräftigt und verbürgt werde, so sollen der gegenwärtigen Urkunde die
Zeugen und Unser Siegel beigefügt werden. Graf Chunradus de Pilstein (Peilstein),
Otto de Lengenbach, Rapoto de Nezta (Nöstach), Sterfrit de Becelinesdorf (Pötzleinsdorf),
Otto de Leusdorf (Leesdorf), Ulricus de Gadmen (Gaaden), Ulricus de Sigenvelde,
Rudegerus und sein Bruder Rupertus de Sigchendorf (Sittendorf), Anshalmus de
Sparwarsbach (Sparbach), Elbergerus de Adelahte (Alland), Hartungus de
Ruhenegcke (Rauheneck), Jubort de Tribanswinchele (Tribuswinkel), Ozo und
Otfridus de Murlingen, Hartwicus. So geschehen im Jahre 1136 nach des Herrn
Menschwerdung unter Lothars_ Regierung im achten (!) Jahre seines Königreiches,
seines Kaisertums im dritten." Die Präambel dieser Urkunde wendet sich an
den dreifaltigen Gott. Welch ein majestätischer Anfang. Daraufhin folgt ein
allgemeiner Segenswunsch und die Begründung für die Erstellung dieser
Urkunde. Sie ist in sehr persönlichen Worten gehalten. So formuliert ein
Heiliger! Auf Eingebung Gottes hin und auf den "Rat" seines Seligen
Sohnes Otto, "aus Freude an ihrem Ordensleben und in Vorsorge um ihre Bedürftigkeit",
"unter Beistimmung und auf Bitten" seiner Gemahlin Agnes und vier
seiner Söhne "Gott und der seligen immerwährenden Jungfrau Maria und
den Brüdern, die sich im genannten Orte gesammelt haben oder sammeln
werden!" - Weitere Gründe für die Schenkung: das "Wohlsein",
der "Friede" und die "Ruhe" des Stifters, "Heil und
Seelenfrieden" seiner "in Christo entschlafenen Eltern"! Noch etwas ist bemerkenswert: Nach der
Unterzeichnung der Stiftungsurkunde folgte eine entsprechende Zeremonie_:
"Daran schloß sich nun die Investitur des übereigneten Besitzes mit der
üblichen Grenzbegehung. Diesen Rechtsakt, der in Gegenwart der im
Stiftsbriefe angeführten Nachbarzeugen vollzogen wurde, dürfen wir ... in
das Jahr 1135 verlegen." Somit ist der Heilige Leopold durch Sittendorf
geritten, zumindest an den Grenzen in etwa Füllenberg - Sittendorf -
Dornbach. Wildegg, im Ortsgebiet
von Sittendorf gelegen, Gerichtsbezirk Mödling ist eine der wenigen
erhaltenen Ritterburgen des südöstlichen Wienerwaldes, steht auf einem
braunroten Kalksteinfelsen, der weiße Einsprenkelungen aufweist, in einem
versteckten Seitentale des oberen Mödlingbaches. Man findet auch folgende
Angaben: "Die Burg steht auf braunroten Juraschichten (manche meinen, es
sei Marmor), die in der Bewegung der Erdkruste nahezu senkrecht aufgerichtet
wurden. Jura ist in der Erdgeschichte ein Zeitraum von etwas 30 Millionen
Jahren, dessen Ende annähernd 120 Millionen Jahre zurückliegt. Unser Fels
bildete sich im Jurameere aus Ablagerungen, in denen es Versteinerungen von
Tintenfischarten und verwandten Tiere gibt." Ersterwähnung von Wildegg Leopold, der Herzog Österreichs von Gottes
Gnaden. Allen Christgläubigen sowohl der gegenwärtigen als auch der zukünftigen
Generationen Friede und Freude in alle Ewigkeit. Wer sich für ein religiöses
Leben entscheidet und in abgeschiedener Stille Gott dienen will, muß unter
den besonderen Fürst der Fürsten gestellt werden, damit niemand zu Unrecht
ihre Besitzungen wegnimmt oder durch irgendwelche Störungen die Kraft des
Glaubens schwächt. Das ist der Grund, weshalb wir, Leopold, der Herzog von Österreich,
in Übereinstimmung mit göttlicher Milde, indem wir dem gegenwärtigen Nutzen
der Brüder, die im Kloster Heiligenkreuz Gott dienen, Rechnung tragen und für
zukünftige Notwendigkeiten Vorsorge treffen, beschlossen haben, mit dieser
unserer Unterschrift sowohl für die jetzige Generation als auch für die späteren
Nachkommen bekanntzumachen, daß wir ihr Gut namens Rohreck, daß ihnen zu
Unrecht von einem unserer Ministerialen entzogen wurde, frei und unentgeltlich
zurückgegeben haben, wobei niemand darauf ein Anrecht hat, dagegen Einspruch
zu erheben oder es zu besitzen. Wir verbieten also mit der vorliegenden Erklärung,
daß irgendein Mensch an demselben Ort die Möglichkeit hat, eine Feste zu
errichten, den Wald zu roden oder in irgendeiner Weise die obengenannten Brüder
zu stören, und wir erlassen, daß es überhaupt niemandem erlaubt ist, das
oben genannte Gut zu verkaufen, zu verändern oder in irgendeiner anderen Art
dem Kloster Heiligenkreuz zu entwenden. Damit das oben genannte Gut auf dem
ehrwürdigen Platze für alle Zeiten unveränderlich und unangetastet bleibe,
beschreiben wir seine Grenzen, nennen die Zeugen und unterschreiben mit
unserem Siegel. Das sind die Grenzen: Über den Anstieg des Weges, der
allgemein Rohrwech genannt wird, bis zum Pfad, der aus Wildekk kommt und zum
Pfad führt, der aus Lupa_ kommt und über denselben Weg nach Sulz und über
den Abhang des Ufer, das Medelich genannt wird bis zum oben genannten Weg, den
wir Rohrwech genannt haben. Die Zeugen dafür sind: ... Datiert im Jahre des
Herrn 1188, am 31. Mai in Mautern unter dem Kaiser Friedrich,_ Glück und
Heil, amen. Die Erstlingsnennung von Wildegg ist mit
Walther de Wildekke vom 18. III. 1187 in einer Babenbergerurkunde für die
nahe Zisterze Heiligenkreuz gegeben._ Darüber hinaus ist dieser Walther
zweifellos identisch mit jenem Walterus de Sichendorf (Sittendorf) der ca.
1166 bei der Schenkung Siegenfelds an Heiligenkreuz mit seinem Bruder
Hartmidus als Zeuge auftritt. Die Wildegger nannten sich demnach vor der
Erbauung Wildeggs nach dem nahen Sickendorf. Ob ihr ursprünglicher Sitz in
diesem Ort oder auf dem sogenannten Hausberg nordöstlich von Wildegg
gestanden hat, ist unbekannt. Walther von Sikkendorf, sein Bruder Rudpert
findet sich 1170 und mit Datum 31. III. 1177 im Traditionskodex von
Klosterneuburg. Dort ist auch die Generation vor ihnen frühzeitig faßbar.
Die Stiftungen des Geschlechts an Klosterneuburg zu Ricendorf bei Himberg und
Pfaffstetten lassen auf Besitz in der Wiener Ebene schließen. Nach Walther von Wildegg ist mit Jänner
1195 in der Pfafferrichtungsurkunde von Sparbach Rutpert, zur familia domini
ducis (Herzog Friedrichs I) gehörig faßbar. 1209, 1215, 1232 ist in
Babenberger Urkunden als einziger Inhaber der Burg "Chunradus de Wildekke"
genannt. Er findet sich auch 1240 in einer Urkunde Wichards von Arnstein für
das Kloster Lambach._ 1246 scheint er bereits gestorben zu sein, denn in der
Seelgerätsstiftung seiner Tochter Diemud für Zwettl, tritt nur mehr deren
Mutter Gertrud handelnd auf. Dieser Chunradus de Wildekke erhielt im Kreuzgang
zu Heiligenkreuz seine Grablage; sein Grabstein ist noch erhalten. Mit ihm
stirbt die männliche Linie der Sichendorfer-Wildegger aus._ Durch die Doppelheirat seiner Töchter
Elisabeth und Gertrud mit den Brüdern Rapoto und Wulfing von Altenburg-Feste
zwischen Wilhelmsburg und Lilienfeld - kam Wildegg an die Altenburger, die
sich in der Folgezeit nach beiden Sitzen nannten. Nach Hertneid 1340 von
Altenburg-Wildegg kam die Feste an Leutold Vensel, dem "alten
Forstmeister Österreichs" aus dem Geschlecht der Alachter (Allander),
von seinem jung verstorbenen Sohn Leutlin 1362 auf die Verwandten Neuhauser,
die Gebrüder Eberhart, Alber, Thoman und Michael. Über Pankraz Neuhauser und
dessen Bruder Gilg geht der Besitz an die Töchter des ersteren Walpurg,
Giburg und Barbara über. 1455 kommen die Besitzanteile der zwei letzten an
Ulrich Eybesbrunner, Kastellan zu Araburg, dem Gemahl der Walpurg und dann in
der Folge an deren Sohn Lambrecht Eybesbrunner. 1465 erscheint Andre
Greisenecker Wildegg belehnt. 1479 der tschechische Söldnerführer Holubar.
Dieser verkaufte am 9. VII. 1486 die Feste Wildegg an Achaz von Neideck.
Dadurch kam Wildegg an ein einflußreiches landsässiges Geschlecht, das zwei
Jahrhunderte dort saß, die Burg in ein Renaissance-Schloß umgestaltete und
einer Blütezeit entgegenführte. Otto von Neideck 1545, Servatius von Neideck
und Rastenburg 1568 waren Hofkammerat, Wilhelm von Neideck, Truchseß des
Erzherzog Mathias, 1610-1616 Ritterstandesverordneter der niederösterreichischen
Landschaft. Ehrenreich Ferdinand von Neideck erlangte 1659 den
Freiherrenstand. Ab Mitte des 16. Jh. gehören die Neidecker
zu den eifrigsten Anhängern Luthers. Ab 1579 führte Klara, Wittib nach dem
verstorbenen Ulrich von Neideck-Wildegg mit Abt Ulrich Müller von
Heiligenkreuz einen erbitterten Kampf um die Kirche in Sittendorf, die bis
1623 im Besitze der Augsburger Konfessionen blieb; immerhin 44 Jahre. Dazu
findet sich folgende interessante Notiz: "Vor 1529 sind Veit Steinbeck
als Pfarrer und sein Kaplan namens Michael als Seelsorger in Alland bezeugt.
Nach Aussage alter Männer des Ortes Alland vom 7. November 1580 sei ‘vor
dem Türkenzug (1529) ein Pfarrer in Alland gewesen, der hat Herr Veit
Steinbeck geheißen, der hat einen Caplan gehabt. Die haben die auswärtigen
Kirchen besungen. Caplan Michael ist im Türkenkrieg auf dem Rehfelde <die
Flur gegen Heiligenkreuzer Höhe> erschlagen worden. Als auswärtige
Kirchen der Pfarre Alland bezeichnet Jakob Hitz, Pfarrer in Niedersulz, vorher
Pfarrer von Alland, am 22. Juli 1579 folgende Gotteshäuser in der Waldmark:
Sanct Joannes Babiste zu Sichendorf, Sanct Niclaskhirchen zu Sparbach,
Raisenmarkt bei Sanct Jakob, Sanct Gilgen zu Schwarzensee, Sanct Lorenzen zu
Meidling_, Sanct Ulrich zu Sigenfeld. Diese Kirchen, die im ausgehenden
Mittelalter teils eigene Pfarrer und Pfarrhöfe_ hatten, wurden infolge des
Priestermangels, verursacht durch das vom Reiche hereinflutende Luthertum,
nunmehr von den Seelsorgern in Alland, der Urpfarre, providiert_, von
Weltpriestern, bis schließlich das spärlich mit Mönchen versehene Kloster
Heiligenkreuz vom Stifte aus diese Kirchen providieren mußte."_ Der Streit brach im Jahre 1626 mit
Maximiliana, Wittib nach verstorbenen Hans Ehrenreich von Neideck abermals
los. Abt Christoph Schäfer sagt von ihr, sie habe ihm geschrieben mit
"einer spitzen Feder und einem scharfen Züngl"! - Auffällig ist,
daß sowohl Klara wie auch Maximiliana Witwen waren und als solche genügend
Zeit hatten, einen Streit auszufechten. - Nach Übernahme der Kirche zu
Sittendorf durch Heiligenkreuz hielt der evangelische Praedikant seine
Predigten in der Schloßkapelle zu Wildegg, das bis zum Übertritt Ferdinand
Raimunds von Neideck nach 1650 Sitz des Krypto-Protestantismus blieb. Dieser,
schon in schlechtem finanziellem Zustand, erlebte im Juli 1683 die Katastrophe
des Türkenkrieges. Die Tataren schlossen die wasserlose Burg ein, versprachen
den verschanzten Bauern freien Abzug, bewirteten sie nach der Kapitulation auf
dem Schloßanger, metzelten sie aber während des Essens nieder. Ferdinand
Raimund außer Stande die vollständig ruinierte, niedergebrannte Herrschaft
aufzubauen, verkaufte dieselbe um 26.000 fl an Abt Klemens Scheffer am 1.
Feber 1686. Gedrängt wurde dieser dazu von Kaiser Leopold I., der den
Wildeggschen Wildbann - eine autochtone Insel im kaiserlichen Wald - für sich
haben wollte. Abt Scheffer baute in den folgenden Jahren Burg Wildegg mit den
Dörfern Sittendorf, Dornbach wieder auf und besiedelte dieselben. Seit
1686-1776 verwalteten Zisterzienserpatres Burg und Herrschaft. 1836 wurde
diese Sitz eines stiftlichen Försters, in der Gegenwart ist die malerische
Wienerwaldburg Jugendburg der Erzdiözese Wien. Ein Überblick aus
1834 - mit Ergänzungen
Amüsant zu lesen ist, was bereits
1834 Malachias Koll über Sittendorf schreibt: "Sittendorf. Ein Dorf, eine halbe
Stunde nördlich von Heiligenkreuz, und eine Stunde westlich von Gaden und
Sparbach, in einem angenehmen Thale, welches der Medlingerbach durchfließt.
Schon im Jahre 1114 kommt im Klosterneuburger = Saalbuche ein Rudiger, und im
Jahre 1117 ein Anshalm von Sickendorf vor. Im Jahre 1124 gaben Rupert und
Rudinger von Sickendorf dem Stifte Klosterneuburg einen Unterthan. Im Jahre
1136 erscheinen Rudger und Rupert von Sighendorf als Zeugen im Stiftsbriefe
von Heiligenkreuz. Im Jahre 1157 schenkte Rudger von
Sighendorf diesem Stifte für seine Grabesstätte daselbst das Gut Vulchenberg.
Im Jahre 1163 machte Walther von Sickendorf mit dem Stifte Klosterneuburg
einen Tausch in Hinsicht eines Unterthans, wobei sein Bruder Rupert als Zeuge
vorkommt. Dieselben kommen auch noch im Jahre 1171 vor; mit ihnen scheint aber
ihr Geschlecht ausgestorben zu seyn, und ihr Besitzthum theils an die
benachbarten Herren von Wildeck, theils an das Stift Heiligenkreuz gekommen zu
seyn. So viel ist gewiß, daß lange Zeit die Herren von Wildeck den Theil von
Sittendorf besassen, der jenseits des Baches näher beim Schloß Wildeck
liegt; dießseits des Baches, was in der Nähe der Kirche liegt, nahm das
Stift Heiligenkreuz als Pfarrlehen in Besitz, hatte aber deswegen mit den
Herren von Wildeck viele Streitigkeiten. Sittendorf scheint übrigens schon früh
eine eigene Pfarre gewesen zu seyn, obschon wir ihren Ursprung, die Zahl und
Namen der Pfarren nicht kennen. Gewiß ist es, daß schon im Jahre 1381 hier
ein eigener Pfarrer war, welchem Johann, Bischof von Passau, den Auftrag gab,
einen Stiftspriester von Heiligenkreuz, Nikolaus von Weitra, in der Pfarre
Alland zu installiren._ Als später die Herren von Neudeck als Besitzer von
Wildeck, der protestantischen Religion zugethan waren, nahmen sie die Kirche
zu Sittendorf für den protestantischen Gottesdienst in Besitz, wählten
daselbst ihre Familiengruft, und ließen sogar einen protestantischen Pastor
kommen, ungeachtet aller Gegenbemühungen und Vorstellungen der Aebte von
Heiligenkreuz. Im Jahre 1651 erhielt durch landesfürstliche Verwendung der
Abt Michael II. die Pfarre Sittendorf, sammt den dazu gehörigen Einkünften,
die nicht unbeträchtlich waren, indem viele Grundstücke und ein eigenes
Grundbuch sammt Zehend dazu gehörten. Von nun an wurde diese Pfarre
misionsweise von Heiligenkreuz aus versehen, auch nachdem der Abt Klemens im
Jahre 1686 das Gut Wildeck erkauft hatte. Im Jahre 1783 wurde endlich ein
eigenes Schulhaus, und ein neuer Pfarrhof erbaut, von welchem so wie von dem
angränzenden Berge, die schwarze Lacke genannt, man den schönsten
Fernsichten genießen kann. Die Gemeinde Sparbach ist hierher eingeschult. In
der Pfarrkirche des heiligen Johann des Täufers ist der Hochaltar nach
Aufhebung der Jesuiten von der Ober = Jesuiten zu Wien hierher gekommen, und
laut der Authentik im Portatil von Johann Abt zu den Schotten und Bischof zu
Germanopolis, Weihbischofe zu Wien, im Jahr 1635 geweihet worden; darin ist
Christian Wilhelm Markgraf von Brandenburg und Herzog von Preußen, eigenhändig
als Zeuge unterschrieben; auch ist sein eigenes Siegel beigedruckt. Am
Seitenaltare ist ein von Blei gegossenes großes Kruzifix merkwürdig, weil
dasselbe vom berühmten Donner verfertigt wurde_. Der Leichenhof, der früher
rings um die Kirche war, wurde im Jahre 1831 auf eine Anhöhe an der Straße
nach Sparbach verlegt, und vom Herrn Stiftsabte, Franz Xaver, eingeweiht. Nach
dem Schematismus der Wiener = Erzdiözese vom Jahre 1833 ist die Seelenzahl
405. Die Bewohner, die alle katholischer Religion sind, nähren sich vom
Verkauf von Holz, Ackerbau, Viehzucht und Tagelohn. Zur Pfarre gehören folgende Ortschaften: 1. Sittendorf mit 34 Häusern und 250
Bewohnern, dann einer Kirche, Pfarrhof, Schulhaus, Mühle und herrschaftlichem
Gasthause. 2. Durnbach, gewöhnlich Dornbach, ein Dorf
in einem freundlichen Thale an dem Durrabache, von welchem schon im Jahre 1002
in einer Schenkungs = Urkunde des Kaiser Heinrich II. an den Markgrafen
Heinrich I. Erwähnung geschieht._ Das Dorf entstand später, und gehörte von
jeher zur Herrschaft Wildeck. Es liegt eine halbe Stunde westlich von
Sittendorf, und hat eine kleine Kapelle des heiligen Leonhard._ 3. Rohrberg mit 4 Häusern, einer Mühle,
und 25 Bewohnern, zwischen Sittendorf und Sulz. Der Herzog Leopold VI.
schenkte im Jahre 1188 diesen Ort unter dem Namen Rohreck dem Stifte
Heiligenkreuz, welches ununterbrochen in dessen Besitze verblieb. 4. Neuweg mit 4 Häusern, wovon 2 jenseits
des hier entspringenden Sparbaches nach Johannstein, Sparbach, und 2 diesseits
nach Wildeck unterthänig sind. Von der Brandwiese in der Nähe dieses Ortes
kann man eine der schönsten Fernsichten genießen. 5. Wildeck, ein zwar in gutem bewohnbarem
Stande befindliches aber unbewohntes Schloß auf einem isolierten Felsen von
rothem Marmor sehr romantisch gelegen, mit der daneben stehenden Wohnung des
herrschaftlichen Försters, und einem Meierhofe unten im Thale, mit 12
Bewohnern; eine Viertelstunde nördlich von Sittendorf. Dieses Schloßes
geschieht zuerst Erwähnung im Jahre 1188 in der Schenkung von Rohrberg. Im
Jahre 1283 kommen Rapoto und Otto von Wildeck als Söhne des Rapoto von
Altenburg vor. Im Jahre 1261 in einem Schenkungsbriefe an das Stift
Heiligenkreuz liest man einen Rapoto und Wulfing von Wildeck mit ihrer
Schwester Gertrud. Im Jahres 1283 schenkte Wulfing von Wildeck dem Stifte
Heiligenkreuz ein halbes Talent und 30 Denar jährlicher Einkünfte in Birtzen
und Vlachau, für eine Begräb nisstätte im Stifte für sich und seine
Gemahlin Gertrud. Konrad von Wildeck schenkte dem Stifte die Stampfmühle und
die Schullermühle bei Medling im Jahre 1343; er ist der Vater des Leuthold
von Wildeck, und liegt im Kreuzgange zu Heiligenkreuz begraben, unter einem
Steine, der die Aufschrift hat: + 14. Calendas May obiit Chunradus de
Wildecke. Ein Rapoto von Wildeck schenkte dem Stifte den Wald Gaisruck. Im
Jahre 1299 kommt ein Dietrich und 1324 ein Hertneid von Wildeck vor. In eben
diesem Jahre schenkte Adelheid von Wildeck dem Stifte ein halbes Talent jährlicher
Einkünfte in Maustrenck. Im Jahre 1375 verkaufte Michael von Wildeck an den
Abt Kolomann I. Von Heiligenkreuz ein Haus in Traiskirchen. Im Jahre 1390
schenkte Michael von Wildeck dem Stifte Heiligenkreuz 6 Talente und 30 Denar jährlicher
Einkünfte zu Traiskirchen. Im Jahre 1393 kommen noch ein Peter und Georg und
im Jahre 1431 ein Peter von Wildeck vor; dann scheint dieses Geschlecht
erloschen zu seyn. Das Stammschloß Wildeck kam aber schon früher an andere
Besitzer; schon im Jahre 1391 kommt Achaz von Neudeck als Besitzer von Wildeck
vor. Im Jahre 1426 wurde Johann von Neudeck im Stifte Heiligenkreuz begraben,
laut einer noch daselbst im Kreuzgange_ vorhandenen Grabschrift. Dieser war
mit seinem Bruder Melchior von Neudeck, welcher Bischof von Trident war, ein
großer Gönner und Wohlthäter des Stiftes. Im Jahre 1497 hatte Wilhelm
Achamb mit seiner Hausfrau Marusch oder Margareth die Veste Wildeck vom Römischen
Könige Maximilian zu Lehen empfangen. Später kamen die Herren von Neudeck
wieder zum Besitze von Wildeck. Ruland von Neudeck trat zur protestantischen
Religion über; wann aber seine Nachfolger wieder zur katholischen Religion
zurückgekehrt seyn, ist unbekannt. In der Familiengruft zu Sittendorf liegen
folgende begraben_: 1. Maximilian + 1594. 2. Erich_ + 1602. 3. Johann Adam +
1622. 4. Erich Ferdinand + 1648. 5. Franz Reichard + 1661. 6. Erich Ferdinand
+ 1663. 7. Karl Achilles + 1664. 8. Maria Salome + 1673. 9. Franz Erich Julius
+ 1679. 10. Johann Ludwig_ + 1680. Im Jahre 1683 wurde das Schloß von den Türken
verbrannt; im Jahre 1686 kaufte dieses Gut Abt Klemens für das Stift
Heiligenkreuz, welches dasselbe noch bis jetzt besitzt; gänzlich vereinigt
mit der Herrschaft Heiligenkreuz." Somit ist verständlich, daß in der
kleinen Gruft unter dem jetzigen Kircheneingang nur 10 Bestattungen möglich
waren. In der älteren Bevölkerung von Sittendorf ist noch der sogenannte
Lutheranerkogel bekannt, dessen Name leider bisher noch nicht ins
Flurverzeichnis aufgenommen wurde. Er liegt, wenn man Sittendorf in Richtung
Sulz verläßt beim letzten Haus rechter Hand hinauf, dort etwa wo das neue
Forsthaus des Stiftes Heiligenkreuz erbaut ist. Auf diesem Lutheranerkogel
haben die protestantischen Wildegger ihre Toten begraben, und zwar in den
Jahren 1623-1650. Das kam folgendermaßen: Die Neudecker wurden protestantisch
und versuchten auch den Ort Sittendorf protestantisch zu machen. Besonders
heftig wurde der Kampf zwischen der Besitzerin Klara von Neudeck und dem Abt
Ullrich II von Heiligenkreuz (1558 - 1584) um das Jahr 1579. Der Streit ging
um die Kirche: ist diese Pfarrkirche und daher Eigentum der Grundherrschaft
Wildegg oder Filialkirche von Alland? Weder Frau Klara noch Abt Ullrich
erlebten das Ende des Streites. Am 17. Dezember 1623 befahl der Kaiser, die
Kirchenschlüssel dem Stift Heiligenkreuz auszuliefern. Die Protestanten
wurden von nun an nicht mehr auf dem Friedhof um die Kirche, sondern auf dem
sogenannten Lutheranerkogel an der Straße nach Wildegg begraben. - Möglicherweise
ist das wie folgt geschehen: Einerseits ließen die protestantischen Neudecker
die katholische Bevölkerung nicht in die Kirche, anderseits ließ die
katholische Bevölkerung die Protestanten nicht auf dem Friedhof, der um die
Kirche damals war, begraben. - Im Jahre 1650 kehrten die Neudecker zum
katholischen Glauben zurück. Der lutherische Friedhof verfiel allmählich. In diesem historischen Überblick bei Koll
Seite 194 interessiert die Erwähnung: "Im Jahre 1426 wurde Johann von
Neudeck im Stifte Heiligenkreuz begraben, laut einer noch daselbst im
Kreuzgange vorhandenen Grabschrift. Dieser war mit seinem Bruder Melchior von
Neudeck, welcher Bischof von Trident war, ein großer Gönner und Wohlthäter
des Stiftes." Damit ist aus unserer Pfarre auch ein Bischof
hervorgegangen, der seine Kindheit und frühe Jugend auf Schloß Wildegg
verbracht hat. Der Schreiber dieser Zeilen hat bereits die Initiative
ergriffen, diese Angaben historisch überprüfen zu lassen. Ein Überblick aus
1933 - mit Ergänzungen
1933 wird unter der Überschrift "Auf
den Brandspuren Ibrahims von Milasa" berichtet_: "Was außen an
dem Schloß jedem, der es zum erstenmal sieht, auffällt, das sind die
Brandspuren über den Fenstern, die von Stunden eines gräßlichen Geschehens
reden, das sich begab, als die mordlustigen Horden des Scheichs Ibrahim von
Milasa den Wienerwald durchstreiften und auch das damalige Jagdschloß Wildegg
brachen ... Die Äbte von Heiligenkreuz, die Wildegg nach der Brandschatzung
durch die Tataren wieder aufbauten, taten dies mit notgedrungener Sparsamkeit
und ließen es allem Anschein nach Genügen sein, die Rußfahnen über den
ausgebrannten Fenstern zu übertünchen, anstatt den Mörtel vorher herunter
zu schlagen und frisch anzuwerfen. Die Folge war, daß die Feuerspuren in
rosaroter Farbe sich wieder hindurchfraßen und heute ein unheimliches
Wahrzeichen bilden, das dem Unkundigen vortäuscht, hier hätte vor nicht
allzu langer Frist erst ein Brand gewütet." Bemerkenswert ist die Notiz: "Solange
die geistlichen Verwalter auf dem Schlosse wohnten, wurde in dieser Kapelle täglich
eine Messe gelesen." Der Südostturm des Schlosses Wildegg trug eine
Glocke, die 1836 die Sittendorfer für ihre Pfarrkirche erhielten, als ihnen
eine Glocke im Kirchturm zersprungen war. Immer wieder wird von unterirdischen Gängen
gesprochen: "Donin glaubt nicht an diese unterirdischen Gänge und
verweist alles, was darüber erzählt wird, ins Reich der Fabel." -
Zur Mär über die spukende "weiße Frau" ist zu lesen: "In
dem Turmzimmer, in dem medial veranlagte Personen die weiße Frau gesehen
haben wollen, übernachtete einmal im vergangenen Jahrhundert ein großer Österreicher,
das war Josef Schöffel, der Retter des Wienerwaldes. Er war von dem damaligen
Förster Korab eingeladen worden, der ihm in Aussicht stellte, um Mitternacht
werde ihm bestimmt ein Geist erscheinen. Er, Korab, habe diesen Geist schon
einige Male leibhaftig geschaut. Doch Schöffel schlief ruhig oder richtiger,
er schlief eigentlich nicht. Aber daran trug nicht die Geistererzählung des Försters
schuld, sondern dessen steinharte Knödel, die ihm der Biedere am Abend zuvor
vorgesetzt hatte. ‘Seine Geister haben mich nicht gestört, aber dafür können
einem seine Knödel gründlich den Schlaf verscheuchen,’ begrüßte der
starkgeistige Mann am nächsten Tag in der Frühe den abergläubischen Förster." Zur Baugeschichte von Wildegg wird
vermerkt: "Die Steine sind dieselben, aus denen die altehrwürdige
Stiftskirche von Heiligenkreuz errichtet ist und rühren auch aus dem gleichen
Steinbruch in Siegenfeld her." Ob man dies auch von der Pfarrkirche
Sittendorf sagen darf? "Von der Mitte des fünfzehnten
Jahrhunderts an lösen sich verschiedene Namen im Besitz von Wildegg ab. Ihr
bedeutendster ist Jan Holubarsch, der berüchtigte und gehaßte tschechische
Bandenführer, der während der Bruderfehden im Hause Habsburg unter Kaiser
Friedrich III. wiederholt in der fürchterlichsten Weise das Marchfeld
heimsuchte. 1475 eroberte er das feste Perchtoldsdorf, dann heiratete er die
Tochter des liechtensteinschen Pflegers Liechtenhofer, die anscheinend eine
merkwürdige Wandlung mit dem kriegerischen Räuber vollbrachte. Der wilde
Holubarsch beschließt seine Tage in Prag als friedlicher Gutsherr, dem übrigens
auch die Burg Mödling eine Zeit lang gehörte. Wildegg hatte er noch längere
Zeit vor seinem Ableben an einem Achaz von Neudeck verkauft." - Die
wunderbare Bezähmung eines heißblütigen Haudegens durch eine raffinierte
Frau! "Die Herrschaft der Neudecker, die an
der Schwelle der Neuzeit Wildegg bezog, hatte studierte Vertreter, welche die
hohen Schulen von Padua, Siena und Bologna besuchten und aus Italien den neuen
Kunstgeist in die rauhe Heimat mitbrachten."
"Wir kommen in die Zeit der großen Glaubenszerklüftung in
deutschen Landen. Die adeligen Landstände schlagen sich auf die Seite der
neuen Lehre und beziehen lutherische Prediger aus Deutschland. Nach dem
Grundsatz: ‘cuius regio, eius religio’, der im Edikte Kaiser Maximilians
II. im Jahre 1571 ausgesprochen wurde, mußte das erbuntertänige Volk den
Glaubenswechsel seiner Vögte und der adeligen Junker mitmachen. Auf diese
Weise kam es, daß um die Wende des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts
achtzig Prozent der Bevölkerung von Niederösterreich Protestanten waren. Die
Neudecker dürften schon in der ersten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts
zum Lutherthum übergetreten sein und rechnen in der Folgezeit zu dessen
intransigentesten Anhängern. Die unmittelbare Nachbarschaft des
Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz mußte bei diesem Zustand zwangsläufig zu
Reibereien führen, die auch pünktlich eintrafen. Die Waldbauern von
Sittendorf und Umgebung, die am Glauben der Väter festhielten, standen in
diesem Streit nicht zur Herrschaft, sondern zu ihrem Pfarrer Stindl.
Am 24. Juni 1579 ereignete sich nun ein folgenschwerer Zwischenfall in
der Sittendorfer Kirche. Vernehmen wir darüber das Zeugnis der Schloßherrin,
die noch am gleichen Tage an den Abt von Heiligenkreuz Beschwerde führte:
‘Ehrwürdiger, der gebier nach lieber Herr Nachbar! Ich geb dem Herrn
zu vernehmen, daß desselben Pfarrer zu Allandt sambt des Herrn Conventleiten
sy in abwesen mein ungefordert in mein und meiner erben aigenthümliche
khirchen zu Sickhendorf einzudringen entstanden. Da man sie nun bespricht,
haben sie stetliche Antwort geben, sy hätten gesungen, meine leith sollen
pfeifen. Und alß heunt da Ich mit meinen und andern in der khirchen bin, und
der Predicant das Te Deum laudamus singt, so khumen sie ungestümb mit gwerten
hennden der Pfarrer von Allandt selbst vierter in die khirchen und eilends zu
dem Predicanten, Im vom Altar wegzugehen angefaren, und einen mit einer
Putten, was er darin tragen ist mir ungewiß, haissen hinzukhummen, und ein
junger Munch hat von dem Altar, davor der Predicant gestanden, das Altartuech
und Puecher wollen weckh thain ... etz. etz.’
Die resolute Schloßfrau, Klara hieß sie, hatte vergessen, daß
Pfarrer Stindl im Recht war. Der Predicant sang gewiß nicht das Te Deum, das
die evangelische Liturgie doch nicht kennt, sondern einen deutschen Psalm. Und
dann hätte der Sittendorfer Pfarrer mit seinen drei ihn begleitenden Bauern
gegen das dreißig Mann starke Gefolge der Klara von Neudeck mit Gewalt
schwerlich etwas ausgerichtet, worauf er auch hinweist. Der Zwischenfall trug
den Charakter einer Demonstration gegen die von der Schloßfrau vollzogene
Enteignung seiner Kirche und der Pfarrer verfolgte mit ihr augenscheinlich den
Zweck, dem Predicanten vor er Öffentlichkeit seine Meinung zu sagen, was er
auch mit den lakonischen Worten tat: ‘Wer hat euch hergebracht, seid ihr
Pfarrer da oder ich?’
Der nun anhebende unfreundliche Briefwechsel zwischen der ‘Hartnäckigen
Weibsperson’, wie Abt Ulrich II. Klara von Neudeck nennt, und dem Stift
dauert über ein Menschenalter. Erst 1623 endigte dieser glücklicherweise
nicht blutig, sondern auf dem Papier geführte Religionskrieg damit, daß über
kaiserlichen Befehl die Kirchenschlüssel dem Stifte Heiligenkreuz ausgefolgt
werden mußten. Eine andere streitbare Wildeggerin, Freifrau Maximiliana, grub
die Kriegsaxt ihrer Ahnherrin wieder aus, das war 1626. Die damals in den österreichischen
Erblanden bereits mächtig erstarkte Gegenreformation gab indes dem Abt Ulrich
von Heiligenkreuz recht und der Zwist fand seine endgültige Liquidierung
damit, daß dem Stift alle Rechte über die Kirche und die Untertanen von
Sittendorf zugesprochen wurden.
Die ersten katholischen Neudecker sind noch in Heiligenkreuz begraben.
Ihre evangelischen Nachfahren bauten sich ein Gruftgewölbe unter der
Sittendorfer Kirche. 1733 wurde dieses Gruft zum erstenmal geöffnet.
Die Eintretenden fanden fünf aufrecht sitzende, männliche Skelette in
vermoderten spanischen Mantelkleidern, zu ihren Füßen hölzerne und
metallene Särge und an der Wand die Namen von zwölf Neudeckern.
Über die neuerliche Eröffnung der Gruft haben wir einen
interessanten Bericht im Monatsblatt des Altertumsvereins in Wien Nr. 12 vom
Jahre 1893 aus der Feder des etwa vor einem Jahrzehnt verstorbenen
hochgelehrten heimatlichen Geschichtsforschers Dr. P. Wilhelm Anton Neumann.
Er schreibt:
‘Bei der 1892 erfolgten Bausicherstellung und Reinigung der
Pfarrkirche zu Sittendorf wurde auch die Gruft der Neudecker vom Schutt
geleert. Sie befand sich unter der ehemaligen Apside, durch die der jetzige
Eingang in die Kirche führt. (Der Hochaltar lag demnach früher auf dieser
Seite. Anm. d. Verf.). Eine kleine Stiege führt in einen nicht großen Raum,
der ... die Grundrißform eines T hat; der rechte Arm des T scheint durch eine
Quermauer abgekürzt worden zu sein. Die Gruft dürfte durch die Türken geplündert
worden sein, daher die wirr durcheinanderliegenden Gebeine und der Schutt. Ein
Mannsskelett ist gut erhalten und noch sind Teile der Gewandung vorhanden.
Keineswegs hatten in dem nur wenige Schritte langen und breiten Raum viele Särge
Platz ... Die Gruft der Sittendorfer Kirche dürfte ... schon im sechzehnten
Jahrhundert für die Familie Neudeck auf Wildegg errichtet worden sein_. Denn
in der Verkaufsverabredung zwischen Ferdinand Raymund von Neudeck und Abt
Klemens Schäffer (Januar 1686) heißt es: Weil die Herren von Neudegg die
Gruft in der Kapelle zu Sittendorf langhero zu ihrer Begräbniß meistenteils
gebraucht haben, so gestattet der Abt, daß auch hinfüro die Verstorbenen
dieses Hauses in selber nach ihrem Belieben mögen gelegt werden.
Da man den Eingang von dem Kirchenpflaster aus nicht wußte, stieg man
bei einer kleinen Öffnung hinab, welche neben der Apside auf der Nordseite
sich befindet. (Beim Stützpfeiler des Turmes, wo die Gemeindeanschlagtafel_ hängt,
rückwärts um die Ecke. Das Loch ist heute mit Brettern verschlagen_. Anm. d.
Verf.). Die Mauer der Kirche ist dort einen Meter dick. Erst unten fand man
jene Stiege, die in die Kirche hinaufführte. Bei der Wegschaffung des
Schuttes fand man fünf kupferne Tafeln, welche ehemals auf den Särgen
befestigt waren. Nach Malachias Koll hätte man zehn Tafeln zu finden
geglaubt. Leider hatte niemand darauf acht, wie die Leichen lagen, wie viele
ihrer waren, wo die Tafeln sich befanden, vielleicht auch hatten wirklich die
Räuber, wer immer es gewesen sein mag, die Gruft in völliger Zerstörung zurückgelassen,
so daß man in neuerer Zeit eben alles unter Schutt begraben fand ...’
Neumann beschreibt hierauf eingehend jede einzelne Tafel. Vier sind
bemalt, eine ist graviert. Die anscheinend älteste Tafel weist unmittelbar
auf dem Kupfer einen weißen Grund, auf dem gemalt und geschrieben wurde. Dann
folgen drei Tafeln, bei denen das Kupferblech zuerst vergoldet wurde, ehe es
die Malerei erhielt. Diese drei Tafeln haben durch den Grünspan sehr gelitten
und ihre Bildfläche ist zerstört. Nur hie und da ist ein Buchstabe zu sehen.
Die Texte beziehen sich, soweit sie überhaupt entzifferbar waren, auf Namen
und Sterbedaten, die Bilder sind Wappendarstellungen. Die fünf Grufttafeln
werden, heut auf dem Bodenraum des Pfarrhofes von Sittendorf verwahrt.
Der viereckige Fleck, den man auf meinem Bild von der Sittendorfer
Pfarrkirche rechts von der Eingangstür sieht, ist die Grabtafel der Regina
Gattinger, Beschließerin auf Schloß Wildegg, gest. 1702. Unter der Schrift
ist in primitiver Arbeit die Darstellung eines Totenkopfes mit zwei gekreuzten
Knochen eingeritzt._ Die Sittendorfer Kirche wird 1381 erstmalig erwähnt. Die
Glockenstube im Turm ist nur mittels einer Leiter erreichbar. Die beiden Glocken
sind 1743 und 1744 gegossen, von ihnen war die eine, wie schon erwähnt,
früher auf Schloß Wildegg.
Inwendig ist das Kirchlein, das dem hl. Johann dem Täufer geweiht ist,
neu und recht schmuck eingerichtet. Auch aus den Rundbogenfenstern erkennt man
seinen romanischen Ursprung. Der niedere Turm mit dem "oeuil de boeuf"
über dem Eingang verrät dagegen die Barocke als seine Entstehungszeit.
Die Neudecker hatten hohe öffentliche Ämter inne, sie waren
Ritterstandsverordnete und Landrechtsbeisitzer, einige von ihnen sogar
Hofkammerräte. 1650 nahm der letzte derer von Neudeck von der Wildegger Linie
namens Ferdinand Raymund wieder die katholische Religion an. Er starb, wie
schon erwähnt, unvermählt. Seinen Grabstein besitzt heute das Niederösterreichische
Landesmuseum. Materielle Not zwang den letzten Sproß des einstmals so stolzen
und reichen Geschlechtes zum Verkauf der zu guterletzt noch durch die Türken
zerstörten Feste an die Heiligenkreuzer.
Sämtliche Bauern der umliegenden Ortschaften samt den in der
Einschicht des Waldes hausenden Duckhüttlern hatten sich vor dem Türkensturm
in das Bergschloß geflüchtet, nicht bedenkend, daß Wildegg, ein Jagdschloß
war und keine Festung. Aber abgesehen davon kam es nicht einmal zu einer Erstürmung
des Schlosses, das von Menschen überfüllt war und innerhalb kürzester Zeit
wegen Wassermangel kapitulierte. Die Unterhandlungen führten zur Übergabe
gegen freien Abzug. Die tatarischen Renner und Brenner waren es nicht gewohnt,
Verträge zu achten, sie metzelten die Besatzung samt den Flüchtlingen
unterschiedslos nieder und zwar stellte das der heimtückisch grausame Pascha
so an, daß er die ausgehungerten Belagerten zuerst zu einer Tafel einlud
und ihnen dann, während sie beim Essen saßen, von Janitscharen_ die Köpfe
abhauen ließ. Das Schloß ward in Brand gesteckt. Dies der geschichtliche
Hergang des letzten großen dramatischen Ereignisses, das Wildegg erlebte.
Ferdinand Raymund von Neudeck, der bei diesem Greuel zu seinem Glück
nicht anwesend war, mußte noch froh sein, daß er einen Käufer für die
Brandstatt fand. Die eigentlichen Interessenten dieses Kaufes waren allerdings
nicht die Heiligenkreuzer, sondern die - Habsburger, die schon lange auf die
ergiebige Jagd im Wildegger Revier erpicht waren und das Stift für den Ankauf
der Herrschaft vorschoben. Bei den langwierigen Verhandlungen wurden seitens
des Stiftes auch auswärtige Konventsmitglieder zu Rate gezogen, so z. B. P.
Bernardus Piller in Nieder=Leis. Am 16. Dezember 1685 war eine Prunkurkunde
ausgestellt worden, der "Konsens = Inkorporationsbrief", worin
Kaiser Leopold I. dem Abt die Kaufbewilligung erteilt und dagegen vom Stift
das Recht des hohen Wildbanns erhält. Zum Schloß gehörten damals 37 Häuser.
Der Wert der ganzen Herrschaft wurde auf 58.244 fl. Geschätzt. Am Tage der Übergabe,
die am 6. Februar 1686 erfolgte, setzte der Abt Klemens Schäffer den P.
Rainard Ruetz als ersten geistlichen Sachwalter nach Wildegg." 1683 verbrennt das ganze Schloß,
ebenso die Pfarrkirche wie das Stift: was nicht gewölbt war, oder wo das Gewölbe
nicht hielt, wurde ein Raub der Flammen. Mit 8. Februar 1686 beginnt Abt
Klemens Schäffer mit den Wiederaufbauarbeiten des Schlosses, scheint das
wichtigste 1687 fertig gebracht zu haben, denn 1888 wird nicht am Schloß
repariert. 1690 werden einige Zimmer im unteren Stock ausgeputzt. 1689 wird
der zweite Stock als Prälatur eingerichtet. Geistliche Berufe
aus Sittendorf
Neben den bereits erwähnten Melchior von Neudeck, der Bischof von
Trident war - sein Bruder Johann von Neudeck wurde 1426 im Stift Heiligenkreuz
begraben, ist - soweit bekannt - nur ein Priester aus der Pfarre
hervorgegangen: "Engelbert Schwan, am 25. März 1764 zu Sittendorf in
Niederösterreich geboren, legte am 25. März 1778 die Profess ab und feierte
am l5. Nov. 1778 die Primiz. Er war 1780 bis 1781 Cooperator in Alland, wirkte
hierauf 1783-1796 als erster Pfarrverweser in Sulz, Mai 1796 bis März 1798 in
gleicher Eigenschaft zu Winden und März 1798 bis März 1799 in Alland, worauf
er als Prior und Pfarrverweser ins Stift zurückberufen wurde, welche Ämter
er März 1799 bis 1812 bekleidete. 1799 bis 1805, war er zugleich
Novizenmeister und 1805-1806 nach dem Tode des Abtes Marian II. Administrator
des Stiftes. 1812 bis zu seinem Tode verwaltete er das Gut Trumau und starb
daselbst als Profess- und Priesterjubilar am 24. August 1830. ‘Vir
religiosus ac disciplinae zelator’ (Doczy)."_
Seine Taufeintragung im ältesten Taufbuch der Pfarre, das 1729 beginnt
steht auf Seite 41 unter "Anno 1754 - Martius": 25 ta a me P. Mathia
baptizatus est Joannes Georgius filius legitimus Joannis Georgij Schwanii
inquilini in Sittendorff, et Clarae uxoris ejus. Patrinus: Joannes Schwäger
Inquilinus in Wildegg." Zu deutsch: "Am 25. ist von mir, dem P.
Mathias, Johann Georg rechtmäßiger (legitimer) Sohn des Johann Georg Schwan,
Einwohner in Sittendorf, und seiner Frau Klara getauft worden. Pate: Johann
Schwäger, Einwohner in Wildegg."
Er wurde von seinen Mitbrüdern bemerkenswert geehrt: "Zur Feier
der fünfzigjährigen Priesterwürde des Hoch- und Wohlehrwürdigen Herrn P.
Engelbert Schwan, Kapitularen der Cist.-Stifte Heiligenkreuz und St. Gotthardt,
emer. Prior und d. Z. Administrator der Stiftsherrschaft Trumau. Im Stifte
Heiligenkreuz am 15. November 1828. Im Namen aller Stiftskapitularen demselben
ehrfurchtsvoll gewidmet von P. Malachias Koll, d. Z. Stiftskämmerer. Eine
Cantate in Musik gesetzt von Franz Xav. Fischer, Waisenverwalter. Wien, gedr.
im Steyrerhof Nr. 727."_ Ergänzung aus der
Pfarrchronik ab 1729
Die Pfarrchronik beginnt mit der
Handschrift von P. Leopold Gindl im Jahr 1835, also in seiner ersten Amtszeit
1831-1839. Das Aussterben der Wildegger führt er "auf Veranlassung der
Kreuzzüge" zurück und meint, daß "ihr Besitztum teils an die
benachbarten Herren von Wildegg, teils an das Stift Heiligenkreuz gekommen zu
sein. So viel ist gewiß, daß lange Zeit die Herren von Wildegg den Teil von
Sittendorf besaßen, der jenseits des Baches näher beim Schloß Wildegg
liegt; diesseits des Baches, was in der Nähe der Kirche liegt, nahm das Stift
Heiligenkreuz als Pfarrlehen in Besitz, hatte aber deswegen mit den Herren von
Wildegg viele Streitigkeiten."_ - "Was später die Herren von
Neudegg, als Besitzer von Wildegg, der protestantischen Religion zugetan
waren, nahmen sie die Kirche zu Sittendorf für den protestantischen
Gottesdienst in Besitz, wählten daselbst ihre Familiengruft (1594) und ließen
sogar einen protestantischen Pastor kommen, ungeachtet aller Gegenbemühungen
und Vorstellungen der Äbte von Heiligenkreuz. Diese Familiengruft befindet
sich in einem kleinen viereckigen Gewölbe unter der Kirche ... Der Eingang
war von der Kirche aus in dieselbe, wurde aber unter dem Pfarrer P. Xaver
Karner (1791-1797), nachdem derselbe ein paarmal neugierig war, gänzlich
kassiert und zugemauert, wie er jetzt noch ist. P. Paulus Ulsess, der im Jahr
1733, Subprior im Stifte Heiligenkreuz, und zugleich (exkurrierender)
Seelsorger allhier war_, ließ diese Gruft eröffnen, und man fand (nach dem
Zeugnisse des P. Ambros Seywitz, in Mausoleo seu Cryptario S. Crucis) an der
Wand auf hölzernen Sitzen, in aufrechter Stellung die Körper von 5 Männern
in einem schwarzen spanischen Mantelkleide. (Einer soll auch einen
Windspielhund_ bei sich gehabt haben.) Die Körper waren aber Skelette, und
die Kleidung vermorscht. - Man fand nebsbei mehrere Särge von verschiedener
Größe, teils von Kupfer und Erz, teils von Holz."
"Im Jahre 1833, (als die Kirche inwendig und auswendig verputzt
wurde) stieg man durch eine kleiner Öffnung, welche von außen in die Gruft
hinabsehen machte ( und die man erweiterte) hinab; es fand sich aber nichts
mehr als ein einzelner Totenschädel, ein Rumpf, kleineres Gebein, Holzstücke,
Mauerschutt - Trümmer, kurz gar nichts bedeutendes mehr; es muß also im
Verlaufe von gerade 100 Jahren, dieses alles abhanden gekommen sein. Die äußere
Öffnung wurde wieder zugemauert, es lohnt daher die Mühe nicht mehr
hinabzuschliefen."
"Im Jahre 1651 erhielt Abt Michael II. die Pfarre Sittendorf
wieder für das Stift durch einen Vertrag und durch landesfürstliche
Verwendung, deren Einkünfte (die nicht unbeträchtlich waren, indem viele
Grundstücke und ein eigenes Grundbuch samt Zehent dazu gehörten_) die
protestantischen Herren von Neudeck, als Besitzer der Herrschaft Wildegg, für
sich eingezogen hatten. Von jener Zeit an blieb das Stift immer Besitzer
dieser Pfarre und versah dieselbe missionsweise_ von Heiligenkreuz aus.
Nachdem das Stift Heiligenkreuz im Jahre 1686 das Schloß und die Herrschaft
Wildeck mit Sittendorf angekauft hatte, wurde die Pfarre von einem
Stiftsgeistlichen von Heiligenkreuz versehen, der im Kloster wohnte und zur
Ausübung des Gottesdienstes und der Seelsorge jedesmal hierher ging (nach
Umständen auch in der Sakristei übernachtete, weswegen bis heutigen Tages
[1835] noch ein Ofen zum Heizen angebracht ist für die Wintermonate; auch
bezieht der jeweilige Pfarrer von Sittendorf noch von dieser Zeit an zwei
Klafter Sakristei - Holz, wenn dieselbe gleich nicht mehr geheizt werden
darf). In der Handschrift "Corona officialium S. Crucis" werden vom
Jahr 1712 bis 1730 sechs eigene Seelsorger von Sittendorf aufgezählt; dann
wurde dieses Amt dem jeweiligen Subprior des Stiftes übertragen, bis im Jahr
1783-1784 auf landesfürstliche Anordnung zur beständigen Wohnung des
Seelsorgers allhier ein Pfarrhof erbaut wurde. Dieser steht neben der Kirche
auf einer kleinen Anhöhe, von welcher man eine schöne Aussicht der ‘Örter’
Gaaden und Sparbach und dieses ganzen Tales genießt. Auch der anliegende Ber
(Buch) zur schwarzen Lacke genannt, gewährt eine der schönsten Aussichten über
die Gebirge und das flache Land. Das Schulhaus, unweit der Kirche, wurde
gleichfalls mit dem Pfarrhof zugleich neu erbaut; der Ort Sparbach ist seit
einige Jahren (1835) hierher eingeschult, teils wegen näheren und besseren
Weg für die Kinder als nach Gaaden, vorzüglich aber zur besseren Dotation
des hiesigen Schullehrers."
Daraus geht hervor, daß vor 1784 kein Pfarrhaus <kein eigenes Haus
für den Pfarrer> in Sittendorf zu Verfügung stand. - Hermann Watzl
schreibt bereits in unsrem Pfarrblatt: "Die Wildegger nannten sich
demnach vor der Erbauung Wildeggs nach dem nahen Sickendorf. Ob ihr ursprünglicher
Sitz in diesem Orte oder auf dem sogenannten Hausberge nordöstlich von Wildeg
gestanden hat, ist unbekannt." - Man könnte nun annehmen, wenn Rudger
von Sickendorf, der berühmte Zeuge von 1114 in Sittendorf gewohnt hat, dann
wahrscheinlich neben der Kirche, das wäre heute das Haus Nr. 19 mit alten Gewölben
im Erdgeschoß. - Dieses Haus - natürlich nicht so wie es heute aussieht -
war möglicherweise, nachdem die Wildegger längst schon ihre Burg hatten,
auch der Pfarrhof_ für die Pfarrer in der Zeit vor den sogenannten Vicaren
(1711-1783) und schließlich die erste Schule, bevor die im Jahr 1783
begonnene fertig war. Es stand in der alten Schulchronik zu lesen, daß einige
Zeit hindurch in diesem Haus Nr. 19 die Schulkinder unterrichtet wurden._ Die
Vicare aus Heiligenkreuz übernachteten ja gelegentlich in der Sakristei, also
stand das Haus Nr. 19 ihnen nicht zu Verfügung, weil es möglicherweise
bereits Schule und Lehrerwohnung war.
"Die Kirche zum heiligen Johann dem Täufer hat keine Stiftungen,
besondere Einkünfte oder Kapitalien und außer der kleinen Familiengruft der
Herrschaft von Neudeck (Wildeck) ebenso wie der anliegende alte Leichenhof
keine merkwürdigen Grabmäler. Vom Hochaltar dieser Pfarrkirche so wie vom
Seitenaltar wird noch später die Rede sein. Das Portatile <Ergänzung aus
späterer Hand: cum reliquiis: S. Sebastiani et S. Victoriae V. et M. S. Justi
M.> wurde laut Inschrift vom Johann (Waldenfinger) Abt zu dem Benediktiner
- Stifte Schotten und Bischof zu Germanopolis (Germanicensis) Weihbischof zu
Wien im Jahr 1635 (19. Mai) geweiht. Als Zeuge ist darin Christian Wilhelm,
Markgraf von Brandenburg und Herzog von Preußen eigenhändig unterschrieben
und besiegelt. Der Pfarrer wird vom Stifte Heiligenkreuz, dessen Glied er ist,
besoldet; dasselbe Stift hat auch das Patronatsrecht dieser Pfarre. Bei der
neuen Pfarreinteilung im Jahre 1782 wurde der Lindenhof mit 40 Seelen von
Sittendorf ‘ausgebrochen’ und nach Sulz ‘eingepfaret’; dagegen erhielt
Sittendorf von der Pfarre Heiligenkreuz 24 Seelen in Dornbach (Im geistlichen
Schematismus des Jahres 1837 wird die Seelenzahl 413 und die größte
Entfernung ¾ Stunde angegeben. Filialen: Dornbach, Rohrberg, Wildegg mit
Neuweg.). Die hierher ‘eingepfareten’ Ortschaften sind folgende: 1.) Sittendorf, mit 239 Seelen und 37 Häusern
in loco (in allem sind 45 Nummern), einer Kirche, Pfarrhof, Schulhaus, Mühle
und Herrschaft - Gasthaus. 2.) Dürenbach, gewöhnlich Dornbach, am
Bache gleichen Namens, welcher bei Heiligenkreuz in den Sattelbach fällt und
in der vom Kaiser Heinrich II. dem Markgrafen Heinrich I im Jahre 1002
gemachten Schenkung als Grenze derselben angegeben wird."_ - Es tut mir
leid, den Dornbachern erneut sagen zu müssen, daß diese Angabe schlichtweg
ein Irrtum ist. Ich hätte ihnen gegönnt, daß sie sämtliche Pfarren des
Dekanates und damit viele Österreichs übertreffen! Aber irgendwie haben das
ja auch die Patres Koll und Gindl erfaßt, denn Gindl schreibt in der
Pfarrchronik weiter über Dornbach: "Das Dorf entstand später und gehörte
von jeher zur Herrschaft Wildegg. Dieses Dorf liegt in einem Tale zwischen dem
Berge Hocheck und Gaisruck, eine halbe Stunde südlich von Sulz und eine halbe
Stunde westlich von Sittendorf. Dieses Dorf kam durch den Ankauf der
Herrschaft Wildegg an das Stift Heiligenkreuz. Im Jahr 1783 waren hier 19 Häuser
mit 119 Seelen. Es war hier früher eine kleine hölzerne (jetzt aber 1897
seit einige Jahren von Steinen gebaute) Kapelle, in welcher die heilige Anna
als Haupt oder vorzügliches Bild erscheinet, mit einer Glocke zum Gebetläuten. 3.) Rohrberg zwischen Sittendorf und Sulz
mit 4 Häusern und einer Mühle unf 41 Seelen auf einem Berge; mit der
Gemeinde gehört es nach Sulz, so wie auch die Schulkinder dahin zur Schule
gehen, auch die ‘Numeratur’ der Häuser gehört zu dem Dorf Sulz. Der
Herzog Leopold VI schenkte im Jahr 1188 diesen Ort unter dem Namen Rohreck dem
Stift Heiligenkreuz, welches ununterbrochen in diesem Besitz verblieb._ In der
Urkunde wird der Umfang des dazu gehörigen Gebites genau beschrieben. Die
Entfernung des weitesten Hauses von der Pfarre ist eine gute halbe Stunde. 4.) Neuweg (oder eigentlich: Sittendorf zu
Neuweg) welches zu Sittendorf nummeriert ist (nämlich die Häuser von No 3-6)
mit 4 Häusern, wovon 2 nach Heiligenkreuz, zwei übern Bach zur Herrschaft
Purkersdorf gehören, 3 Viertel Stunden von Sittendorf entfernt, eine
Viertelstunde nördlich hinter Wildegg, in einem sehr engen Tal, welches den Häusern
kaum hinreichenden Raum gewährt. Daselbst entspringt der kleine Sparbach (Sparbbersbach
oder Sperbach), von welchem der Ort Sparbach den Namen hat. Auf der oberhalb
dieses Ortes befindlichen (sogenannten) Brandwiese ist der Standpunkt einer
der herrlichsten Aussichten über das Gebirge, auch kann man Wien sehen. 5.) Wildegg mit beiläufig 17-18 Seelen in
3 Nummern (nämlich Schloß No 1, Mayerhof No 2, einstiges Wirtschaftshäusel
No 3), eine starke viertel Stunde nördlich von Sittendorf; das Schloß ist
zwei Stockwerk hoch und hatte vormals eine kleine Kapelle zum Messelesen des
dortigen geistlichen Pater Verwalters von der Zeit an, als das Stift
Heiligenkreuz dasselbe erkaufte. Es gewährt mit seiner romantischen Lage auf
einem Felsen von rotem Marmor einen überragenden Anblick und zugleich eine
weitgehende Aussicht über die Gebirge und durch das Tal gegen Baden bis an
die ungarischen Grenzungsgebirge (Rosaliakapelle). Das Gebäude ist soweit im
guten Zustande, im unteren Geschoß wurde im Jahr 1836 eine Wohnung für den
Stiftsförster zugerichtet und die vormalige neben dem Schloß gestandene Försterwohnung
weggerissen. - Unterhalb des Schlosses liegt der herrschaftliche Mayerhof .-
Im Jahr 1683 wurde das Schloß von den Türken verbrannt und im Jahr 1686 dem
6. Februar hat Abt Clemens Schäffer die Herrschaft Wildegg für das Stift
Heiligenkreuz erkauft, um 26000 fl von dem Wohlgeborenen Herrn Ferdinand
Raimund Baron von Neudeck auf Wildegg, welches dasselbe noch besitzt, gänzlich
vereinigt mit der Herrschaft Heiligenkreuz. Zur Pfarre Sittendorf gehört keine
Filialkirche. Der Leichenhof der früher rings um die Kirche war, wurde im
Jahr 1832 auf eine Anhöhe auf der Straße nach Sparbach verlegt und den 5.
Juni 1832 von Seiner Hochwürden und Gnaden H. H. Abt des Stiftes
Heiligenkreuz Franz Xaver Seidemann feierlich eingeweiht; den Anfang machte
ein Requiem von hochdemselben gehalten für alle Verstorbenen, welche im alten
Friedhof um die Kirche begraben liegen und zugleich für die eben verstorbene
(3. Juni 1832) Magdalena Weißenböck, Witwe und Ausnehmerin in Sittendorf No
34, 79 Jahre alt, - darauf ein Libera_ und Einsegnung der Leiche, nach dieser
ging die Pfarrgemeinde in Prozession mit Nachtragung der Leiche in den zu
weihenden Leichenhof, nach vollendeter Weihe (bei welcher in allem 11
Geistliche waren) ging die Gemeinde wieder in Prozession in die Kirche zurück
und die Leiche wurde sodann beerdigt. Anschließend werden Namen jener 6 Personen
genannt, die im Jahr 1832 an der asiatischen Cholera starben: Peter Grünböck,
Franziska Hofmauer, Anna M. Fokerthaler, Rosalia Schlosser, Joseph Fokerthaler,
Jakob Zwirner. - Darauf folgt die Reihe der "stabilen Seelsorger in
Sittendorf", die - wie wir bereits wissen - mit P. Petrus Kainz beginnt,
den allerdings unser Pfarrchronist P. Leopold Gindl zwei Tage länger leben
und erst am 19. Mai 1791 in Münchendorf sterben läßt. Immerhin berichtet
unsere Chronik von P. Petrus Kainz - so die Sittendorfer Schreibweise - über
das Jahr 1783: "Er wohnte, weil der Pfarrhof noch nicht ausgebaut war
(was erst 1784 geschah) anfangs in der Mühle zu Sittendorf No 13. Weil ihm
aber manches da nicht behagte, zog er in das Haus No 34."_ - Daraufhin
folgt die Baurechnung des gesamten Pfarrhofes, der ich - und wahrscheinlich
jeder nicht fachkundige Historiker - hilflos gegenüberstehen. Bedauernswert
ist, daß der Allander Baumeister Philipp Schlucker hier nicht genannt wird,
der - wie mir persönlich P. Hermann Watzl versicherte - den Sittendorfer
Pfarrhof gebaut hat. Möglicherweise sind im - zur Zeit schwer zugänglichen
Stiftsarchiv Heiligenkreuz - noch entsprechende Belege dafür vorhanden. Es
wird gesagt, Baumeister Schlucker hätte noch mit seiner Verse den Grundriß
eines Hauses gezogen, seine Arbeiter haben einen überaus ausgeprägten Sinn für
Proportionen gehabt. Der erste Teil dieser Aussage wird nicht stimmen, der
zweite ist weithin sichtbar. Meine Aufmerksamkeit erregt das nun
angesprochene Wasserproblem, das uns ja auch heute immer wieder beschäftigt.
Da heißt es nämlich: " ...item <ebenso> ist ein gegrabener
Pumpbrunnen (ausgemauert) auch in dieser Rechnung begriffen, welcher bei 12
Kl. Tiefe haben soll, gegenwärtig (1837) und zwar schon mehrere Jahre ist er
zugedeckt und ungebraucht, weil das Wasser keinen guten Geschmack haben soll.
- Der spärliche Rohrbrunnen, welcher gleich neben dem alten ursprünglichen
pfarrlichen Brunnen angebracht ist, hat seine Quelle gleich außer dem
Pfarrhofgarten und seine ausgezimmerte Brunnenstube. Diese Brunnenstube liegt
zwar auf einer Wiese, welche zum Haus No 15 in Sittendorf gehört, man
verglich sich aber mit den damaligen Besitzer Ulrich Singer, Wagnermeister,
dadurch, daß man ihn mit Wiesen der Ortsherrschaft etwas seiner Wiese vergrößerte
(gegen des Schöberl Garten zu), damit er durch dieses Brunnenstube keinen
Schaden leiden möchte." Hochwürden P. Leopold Gindl schreibt:
"weil das Wasser keinen guten Geschmack haben soll." - Natürlich fällt
mir hier "soll" auf; wahrscheinlich hat P. Leopold sicherheitshalber
dieses Wasser nie gekostet und einen "entsprechenden Tropfen" als
Ersatz in Reserve gehabt. Ich will ihm aber nichts andichten! 1802 kauft P. Petrus Krause den bereits erwähnten
Altar der Ignatiuskapelle der Wiener Jesuiten; es mußte allerdings einige
neue dazu erstellt werden: das Altarbild, welches den heiligen Johannes den Täufer
darstellt und längst nicht mehr in unserer Kirche ist. Es werden aber in
diesem Zusammenhang zwei vergoldete Engel erwähnt, die heute nach wie vor das
Allerheiligste behüten. Ein gewisser Sebastian Millner, Bauer zu Sittendorf
No 29 hat nahezu soviel gespendet wie der damalige Abt Marian Reuter, die
Gemeinde Sittendorf und Dornbach zusammen. Den Rest hat der hiesige Pfarrer P.
Petrus Krause dazu gelegt. Für unsere Pfarre nichts Neues! - 1803 wurden neue
Kirchenstühle angeschafft. 1805 wurde der Kirche ein Kruzifix aus Erz, für
den Seitenaltar geschenkt, von dem heute hier nichts mehr zu sehen ist, es
soll von Raphael Donner sein. 1824 wurde die Kirche "ausgeweißiget"
und der Seitenaltar renoviert. - 1833 wurde der Kirchenturm, das Kirchendach
und das Sakristei neu gedeckt, die Kirche inwendig und auswendig verputzt und
"ausgeweißet", beim Hochaltar und Seitenaltar Ausbesserungen
vorgenommen, eine neue Treppe zum Hochaltar gemacht und die Stühle auf der Männerseite
mit einer neuen Treppe versehen, weil die alte schon morsch war. Bis zum Jahr 1837 hatte die Pfarrkirche
zwei kleine Glocken im Turm; am 16. Mai 1836 erhielt die größere Glocke
einen Sprung, daraufhin wurde die Glocke vom Schloß Wildegg "zur
Aushilfe" herab gebracht: auch diese erhielt am 14. Dezember 1836 einen
Sprung. - Ich verstehe nicht, wie wild man damals geläutet hat! War P.
Leopold Gindl so gütig? - Die beiden gesprungen Glocken wurden umgegossen und
mit der guten verbliebenen hatte nun Sittendorf seit 1837 drei Glocken. Die größere
dient zu allen Zeichen, die zu geben sind; die mittlere zum "Zusammenläuten"
und als "Armen-Seelenglöckel", auch zur Wandlung an Wochentagen,
die kleine als "Verseh- und Zügenglöckel". Am 3. Mai 1837 wurden
die beiden neuen Glocken in der Sakristei vom Hochwürdigsten Herrn Prälaten
des Stiftes Heiligenkreuz geweiht und am 4. Mai erstmals abends geläutet. Die Orgel wurde 1826 von Christoph Erler,
Orgelbauer in Wien, ganz repariert. Ebenso am 5. und 6. Oktober 1837. Die Silbermonstranz, die 1837 der einstige
Pfarrer P. Emerich Simala der Pfarre schenkt, ist längst nicht mehr
vorhanden._ 1838 wurde der Hochaltar neu marmoriert,
vergoldet, das Bild gefirnist, mit einer Rückwand versehen, die Statue des
heiligen Florian und des heiligen Johannes Nepomuk renoviert, das Lamm Gottes
versilbert. - Damals wurde auch das "Seiten - Altarl" beschrieben,
das bis 1996 als Seitenaltar in der Pfarrkirche Raisenmarkt zu sehen war und
nun angeblich im Stiftsmuseum Heiligenkreuz aufgestellt wird, beschrieben:
Heute würde man sagen: Ein Altar geht auf Reisen! "Das jetzige ‘Seiten = Altarl’,
ist das Modell vom Hochaltar in Heiligenkreuz und kam von der Kapelle zu
Wildegg ebenfalls 1838 nach dem Wunsche des Pl. Tit. Herrn Abt herab. -
Dasselbe wurde neu renoviert, die Vergoldung ausgebessert und das Frauenbild
Mater Dolorosa sub Curce, etwas vergrößert und übermalt vom ... Herrn Anton
Zach, hineingemacht. Früher als dieses Altarl in Wildegg stand, war das
Altarblatt Maria Himmelfahrt. Dieses Altarl ist noch etwas älter als der
Hochaltar in Heiligenkreuz (weil es als Modell früher mußte gemacht werden)
welcher 1699 den 15. August eingeweiht wurde. In dieses Altarl wurde zugleich
(1838) ein kleiner Tabernakel angebracht, damit derselbe in der Karwoche als
heiliges Grab dienen kann. Weil früher das Sanctissimum in die Sakristei
getragen wurde._ - Das obengenannte Frauenbild Mater Dolorosa wurde wie im
Taufprotokoll der Pfarre vorkommt, im Jahr 1757 den 24. Juni in der Kirche am
Hochaltar aufgestellt, im Jahr 1802 wurde der Rahmen in welcher es sich damals
befand, samt den 2 Engeln neu vergoldet, wie schon erwähnt wurde. Unter dem
Herrn Pfarrer P. Emerich Simala 1824 wurde das damalige (jetzt ganz kassierte
Seitenaltar) renoviert, und dieses Frauenbild aber ohne Engel unter dem
damaligen (erzenen Kruzifix, welches seit 1838 sich in Heiligenkreuz befindet,
um daselbst in der Kirche aufgestellt zu werden) angebracht. Erst im Jahre
1838, wie schon erwähnt wurde, kam es aus dem Rahmen heraus, und wurde als
Altarbild des kleinen renovierten Seitenaltars angebracht."_ Der
Vergolder Herr Anton Zach mit noch einem Vergoldergehilfen und einen
Lehrjungen arbeiteten 17 Tage an der Renovierung des Hochaltars, des
Seitenaltars, zweier Statuen und der Kanzel. "Ein neuer Teppich kam
ebenfalls 1838 von Heiligenkreuz für den Hochaltar herüber, für die
Festtage." 1838 werden auch die Kirchenfenster
erneuert. 1839 wurde vom Hochaltar bis zu den Kirchenstühlen ein neues
Steinpflaster gelegt, Kirchenfahnen wurden angeschafft oder erneuert. 1842
wurde ein neues versilbertes Rauchfaß samt Schiffchen der Kirche
"geopfert". Notiz zum Lutheranerkogel: "Der
sogenannte lutherische Friedhof oder Lutheraner Kogel (links wenn man auf
Wildegg geht, hinter des Zinsmeisters No 11 und Tischlers No 41, Häusern aufwärts
gelegen) hat seinen Namen, weil man zur Zeit der lutherischen Reformation die
Anhänger dieser Lehre aus der Gemeinde daselbst begrub und nicht in dem
Friedhof um die Kirche begraben ließ. - Im Jahr 1832, als der neue Friedhof
errichtet wurde, wurden daselbst die Steine zur Friedhofmauer gebrochen, wie
man noch sehen kann. Im Jahr 1843 hielt am 1. Juli Seine Fürsterzbischöfliche
Gnaden Vincenz Eduard Milde Erzbischof von Wien die Kirchen- und
Schulvisitation. Die Festlichkeit wird detailliert beschrieben. - Der Empfang
war vor der Kirche, der Erzbischof sprach in der Kirche vor dem Hochaltar auf
einem Armstuhl sitzend zum Volk, dann der Pfarrer P. Leopold Gindl von der
Kanzel aus. Die Gebete für die Verstorbenen hielt der Erzbischof "beim
Seitenaltar - weil es kurz vorher regnete, sonst wäre er in den alten
Friedhof hinausgegangen." Solche liturgische Alibifunktionen waren damals
üblich. Es fällt mir noch auf, daß - wenn ich richtig lese - "Seine Fürsterzbischöfliche
Gnaden" seine heiße Schokolade fürs Frühstück selbst mitgebracht hat
und nach dem 5 gängigen Mittagessen, das ab 14 Uhr im Schloß Wildegg
zelebriert wurde, auf Wunsch des Heiligenkreuzer Abtes mit Böllerschüssen
verabschiedet wurde. 1845 wird der Pfarrhof renoviert. Man
beginnt mit Kehlheimer Platten die Böden zu pflastern. Die Pfarre hatte
damals 415 Seelen, davon 220 männlichen und 195 weiblichen Geschlechtes:
Sittendorf mit Wildegg und Neuweg 147 männlichen und 120 weiblichen
Geschlechtes, zusammen 267; Rohrberg 15 männlich und 17 weiblich, zusammen
32; Dornbach 58 männlich und 58 weiblich, zusammen 116. - 1845 war die Anzahl
der Geborenen 20, der getrauten Paare 3, der Gestorbenen 21. 1847 wird der Dachstuhl gerichtet und der
Stukkaturboden. Dann folgt ein markanter Vermerk: "Das Chorgebäud,
welches beinahe mitten in der Kirche angebracht war und den hinteren Kirchenstühlen
das nötige Licht ‘benam’, wurde innen den Turm zurückversetzt; auf diese
Weise gewann die Kirche an Licht und zugleich wurden die den Kircheneingang
verunstaltenden Stiegen und Leitern auf den Chor und den Kirchendachboden
entfernt. Die Mauer, auf welcher der rückseitige Teil des Chores ruhte, wurde
abgetragen, in dem Turm ober den Chor eine Gurte gespannt, und den Oberteil
des Chores eingewölbt. Der Aufgang auf den Chor wurde von außen durch die
Kirchenmauer angebracht; deshalb das Kirchenfenster an dieser Wand vermauert
und dafür zur gehörigen Beleuchtung des Chores im Turm ein rundes Fenster
ausgebrochen." Das Gewölbe beim Kircheingang ist demgemäß nicht
romanisch! Möglicherweise brachte dieser Umbau die Stabilität des Turmes in
Unsicherheit und es mußte der starke Stützpfeiler vom heutigen
Kircheneingang außen rechts gebaut werden. Das besagte zugemauerte Fenster läßt
sich erahnen. Wie die Kirche mit der Sängerempore welche "beinahe mitten
in der Kirche angebracht war" aussah, dazu die erwähnten "Stiegen
und Leitern" ist mir unvorstellbar. - Es ist interessant weiterzulesen,
was sich unmittelbar in der Chronik anschließt. "Das Oratorium wurde über der
Sakristei ganz neu gebaut und von dort eine Stiege in den Dachboden geführt.
Ein Teil des Kirchendaches wurde abgetragen und über die neue aufgeführte
Mauer des Oratoriums gezogen, das übrige Kirchendach ausgebessert. Die Mauer
zwischen der Vorkammer und der eigentlichen Sakristei wurde abgerissen, um die
Stiege auf das Oratorium anbringen zu können."_ - Unter den 6 angeführten
Spendern waren 2 aus Sittendorf und 4 aus Sparbach. Die Sparbacher hatten also
ein Interesse an diesem Zubau.- "Wegen des neuen Oratoriumsbaues mußte
der Rauchfang, welcher auf dem alten Sakristeidach stand, abgetragen
werden." Weiterhin wird unter der Jahresangabe 1847
vermerkt: "Der Fußboden der Kirche wurde statt den Ziegeln mit
Kehlheimerplatten gepflastert, welche vom Stifte Heiligenkreuz in Wien gekauft
und durch Gemeinde Robotzüge hergeführt wurden. - Der Seitenaltar mußte während
dem Baue weggenommen und zur Ausbesserung nach Heiligenkreuz in die Tischlerei
gebracht werden. Er hatte durch die Feuchtigkeit der Mauerwand stark gelitten
... Die Kirche und der Turm sind größtenteils aus Tuffsteinen gebaut. Das
Mauerwerk zeigte starke Brandspuren, welche nach Möglichkeit ausgebessert
werden." - Somit wird meine Theorie, die Kirche sei aus dem gleichen
Baumaterial wie der mittelalterliche Teil von Heiligenkreuz und die Burg
Wildegg möglicherweise in Frage gestellt. Aber die gefundenen Brandspuren
verweisen auf das Katastrophenjahr 1683 und bestätigen meine Annahme, daß
1683 die Sittendorfer Kirche durch die Türken gebrandschatzt wurde: daraufhin
wurde die romanische Apsis zum Eingang, sie wurde zugleich verlängert und mit
der westlichen Apsis abgeschlossen. - Es fragt sich nur, warum hat man nicht
gleich den Sängerchor in den Turm hinein verlegt? Das muß doch einen Grund
haben! "Die Orgel, welche beim Bodenlegen
entfernt werden mußte, wurde vom Herrn Weisenbeck, Schullehrer zu Neuhaus,
wieder aufgerichtet und gestimmt. Die Holzpfeifen sind durch den Wurmfraß
schon stark beschädigt." - Also stand die Orgel - nicht wie vorher
vermutet - auf der Sängerempore, die in den Turm hinein gebaut wurde, sondern
herunten auf dem Pflaster. - Auch damals 1847 wurde die Kirche "ausgeweißt"
und der Turm "gefärbelt". - "Zu Baumaterialien wurden die
Steine aus den abgebrochenen Mauern und 2000 Stück Ziegel verwendet. Auch
wurden 5 ½ Kub. Kl. Steine gebrochen aus dem Felsen ober dem Pfarrhofe."
Vielleicht sind das die Steine für den Stützpfeiler! - Es werden anschließend
erstmals der Stadel erwähnt, der vergrößert und der Saustall, in dem ein
neuer Trog eingelegt wird; beide glorreiche Ereignisse finden 1847 statt. 1848, 3. Jänner: "In dem Kirchenturm
wurden die Fensteröffnungen mit neuen, gelb angestrichenen Jalousien
versehen, um den Schnee abzuhalten, der in früheren Zeiten bei heftigem
Schneegestöber in den Kirchendachboden hineingeweht wurde. Dieselben wurden
angeschafft auf Kosten des Stiftes Heiligenkreuz." "Die Wiener = Unruhtage des 13., 14.,
und 15. März d. J. <1848>, die Gerüchte von Zerstörung und Plünderung
mehrerer Häuser und Fabriken in und um Wien machten auch in dieser
Pfarrgemeinde alles bangen vor der drohenden Gefahr von Gewalttätigkeiten.
Schon hatten einige beschlossen, ihre Häuser zu verlassen und mit ihren
Kindern und ihrem Vieh in die nächsten Waldungen sich zu flüchten. Der
derzeitige Pfarrer <P. Cajetan Sevignani> ließ daher am 17. des Monats
früh um 8 Uhr die gesamte Sittendorfer Gemeinde sich beim Amtsrichter namens
Josef Sulzer versammeln und suchte den Versammelten in einer Zurede Mut und
Vertrauen einzuflößen. Er mahnte zur Einigkeit und zu festem Zusammenhalten
untereinander, um etwaige Plünderung oder Feueranlegung und dergleichen
abzuwehren; - ersuchte aber zugleich den brotlosen und im Frieden kommenden
Menschen Brot und andere Nahrungsmittel nach Möglichkeit zu reichen; - die
allerhöchst versprochenen Verbesserungen möge man auf dem Wege der Ordnung
und des Rechtes ruhig erwarten und dankbar annehmen. - Einstimmig war diesen
Vorschlägen beigetreten. Alle blieben zu Hause und bei ihrem Gewerbe. - Keine
Gewalttätigkeit. - Am 26. März wurde in der hiesigen Pfarrkirche ein Hochamt
mit Te Deum laudamus <Großer Gott, wir loben dich> gehalten zur
Danksagung für die von Seiner Majestät Kaiser Ferdinand bewilligte
Constitution und für die wieder hergestellte Ruhe und Sicherheit im
Lande."_ Oktober 1848: "Die Oktoberrevolution
und die Belagerung der Hauptstadt Wien machte auch die hiesigen Leuten recht
bange. Gegen Ende Oktober kamen einmal zwei Männer aus einem benachbarten
Dorfe in völliger Wut mit geladenen Gewehren nach Sittendorf und Dornbach und
forderten die hiesigen Männer auf, der Umsturzpartei in Wien gegen das
belagernde reguläre k. k. Militär zu Hilfe zu eilen und drohten, im
Verweigerungsfalle die Leute im eigenen Hause zu erstechen. Die hiesigen Männer
richteten Sensen, Gewehre und andere Waffengattungen zusammen, aber nicht um
nach Wien zu ziehen, sondern um im Notfall sich damit gegen die Wühler zu
verteidigen. Zum Glück waren diese Vorkehrungen unnötig."_ - "Die
hiesigen Männer richteten Sensen, Gewehre und andere Waffengattungen
zusammen" - man staunt über das Waffenarsenal der Pfarre Sittendorf! Für das Jahr 1850 und folgende wurden
<drei> neue Tauf- Trauungs- und Sterbeprotokoll<bücher>
angeschafft._ Im Juni desselben Jahres wird vermerkt: "Der Stadel wurde
um 1 Schuh gehoben und untermauert, der Dresch=Tenn neu gelegt, der Rauchfang
ausgebessert und zugedeckt." - "Der Stadel wurde um 1 Schuh
gehoben" - die Aula entwickelt sich! Am 29. Juni 1850 findet in der neu
konstituierten vereinigten Gemeinde Sittendorf - Dornbach die erste Wahl der
Gemeindevorsteher statt. Um 7 Uhr beginnt sie mit der Frühmesse, um 8 Uhr
wird im hiesigen Gasthauslokale zur Wahl geschritten. Gemeinderichter wird der
bereits erwähnte Josef Sulzer, Wirtschaftsbesitzer in Sittendorf 39. Nach
geschlossenem Protokolle - 12 Uhr mittag - begeben sich die Gemeindevorsteher
in die Pfarrkirche zur Eidesablegung, wobei auch von den Gewählten das Meßbuch
geküßt wird; die Zeremonie schließt mit Te Deum und eucharistischem Segen._ Am 8. November 1850 wird der
Kirchendachboden mit Ziegeln gepflastert. - Um den Jubiläumsablaß zur
erhalten zog man in der Zeit zwischen 15. November - 14. Dezember 1850 dreimal
in Prozession von der Sittendorfer Kirche nach einer heiligen Messe in die
Gaadener Kirche zum eucharistischen Segen, dann in die Heiligenkreuzer Kirche
zum eucharistischen Segen und wieder in die Sittendorfer zurück, wo ein
abschließender eucharistischer Segen mit Te Deum gehalten wurde._ - Damals
konnte ein Sittendorfer Pfarrer noch etwas energischer seine Schäfchen durch
die Himmelstür treiben! "Am 6. Dezember früh um 8 Uhr wurde
in dem hiesigen Gasthauslokale unter Leitung eines Offiziers die
Conscriptions-Revision vorgenommen. Die Aufschreibungen geschehen doppelt: a)
für die k. k. Bezirkshauptmannschaft - von einem Militärschreiber, b) für
die hiesige Gemeinde von einem Gemeindeschreiber. - Der Pfarrer hatte mit
seinen Tauf- und Sterbprotokollen dabei gegenwärtig zu sein. Die pfarrliche
Seelenbeschreibung leistete wesentliche Dienste zur schnelleren und sicheren
Vollführung des Geschäftes."_ 18. April 1851: "Wegen des großen,
belästigenden Luftzuges wurde vor dem Eingang in die Sakristei auf Kosten des
Stiftes Heiligenkreuz ein hölzernes Vorhaus gebaut." - 24. - 28. Juni
1851: "Da die Orgel in der hiesigen Pfarrkirche schon sehr schadhaft war,
so ließ das Stift Heiligenkreuz dieselbe durch Herrn Erler jun. Aus Wien
reparieren und in ganz brauchbaren Zustand herstellen." - Ein neues
Pfarrsiegel wurde besorgt, "sowohl zum Wachs- als auch zum Schwarzdruck
Gebrauche". Zum erstenmal lese ich 1855 von der
Wallfahrt zur Cholerakapelle am 15. August. Da überrascht mich folgende Eintragung
1859, sie müßte aus der Hand von P. Dr. phil. Hermann Umdasch stammen, falls
meine Research stimmt: "Die sehr baufällig gewordene alte Kirche, die
ganz von Tuffstein erbaut <ist>, wurde durch 2 starke Schutzpfeiler und
gezogene eiserne Schließen, die im Hinterteil der Kirche angebracht und
respektive durch den Chor gezogen wurden, vor weiterer Gefahr geschützt. Bei
dieser Gelegenheit wurde das Innere der Kirche durch einen Anwurf von
hydraulischer Kalke und Übertünchung renoviert, auch die Fenster in der
ganzen Kirche neu von außen angeschlagen, um dieselbe gegen die Nässe, die
sich durch nur inwendig angebrachte Fenster im Innern der Kirchenwände
verbreitete, zu bewahren, auch wurde die alte schadhafte Friedhofmauer gänzlich
entfernt ... An die Stelle der alten gänzlich unbrauchbaren Orgel wurde eine
neue von den Brüdern Erl in Wien erbaute Orgel mit 6 Registern
angeschafft." 1862: "Herr Bürgermeister Leopold
Tromayer hat vor der Kirche 4 Stück Lindenbäume pflanzen lassen. Herr Förster
Endele Xaver ließ ein neues Kripperl zu Weihnachtsfest verfertigen." 1863 wurde die mittlere Glocke, nachdem sie
"zersprungen" ist in Wiener Neustadt von Herrn Ignaz Hilzer
umgegossen und am 21. Juni vom H. H. Abt von Heiligenkreuz mit großer
Assistenz geweiht. 1864 lese ich erstmals von einem Kuhstall
im Pfarrhof. - 1866 leistet sich die Pfarre Sulz neue Kreuzwegbilder und übergibt
ihre alten der Pfarre Sittendorf. 1866 ist die große Glocke zersprungen und
vom Wiener Neustädter Herrn Ignaz Hilzer umgegossen und am 10. Mai geweiht
worden. - Bisher habe ich 4 zersprungene Glocken in der Geschichte Sittendorfs
gezählt. - Ich staune über die vitalen Läuterbuben! - 1871 erhält die
Kirche ein neues Schindeldach, die dazu erforderlichen 30.000 Stück werden im
Pfarrhof angefertigt; die Kirche wird innen und außen gefärbelt._ - Am 18.
Und 19. April 1877 wird statt der schadhaften hölzernen Rohrleitung eine
eiserne Rohrleitung von der Brunnenstube durch den Garten gelegt. - "Die
Betstunde am heiligen Rochustage (16. August) wurde in diesem Jahre nicht mehr
bei der im Orte befindlichen Kapelle, sondern - unter allgemeinem Beifalle und
sehr zahlreicher Betheiligung - im Gotteshause abgehalten unter Aussetzung des
Hochwürdigsten Gutes."_ - 1877 wurde wieder einmal der Hochaltar
renoviert, der Seitenaltar, "welcher dem Zerfalle so ziemlich nahe
war" zerlegt, nach Heiligenkreuz gebracht, "was sich nicht
ausbessern ließ, neu gemacht", die Kirche innen und außen "hin und
wieder" verputzt und ganz "geweißiget"._ - Der Seitenaltar
wird mit einem neugemalten Bild der Himmelfahrt Mariens am 15.-17. Juli 1878
wieder aufgestellt.. - Aus dem Nachlaß von Abt Edmund Komáromy wird eine
Kreuzpartikel "in einer Einfassung aus unedlem Metalle aber von gefälliger
Form" von der Kirche Sittendorf "angekauft"._ - Am 21. August
1878 erhält die Kirche Sittendorf zwei neue Altarsteine, die zu Staub
zerfallenen heiligen Reliquien (Hochaltar: des heiligen Märtyrers Sebastian,
der heiligen Jungfrau und Märtyrerin Victoria und des heiligen Märtyrers
Justinus; Seitenaltar: der heiligen Märtyrerin Vincentia und der heiligen Märtyrerin
Patientia) am Karsamstag mit den Resten der heiligen Öle verbrannt. - Die jährliche
Wallfahrt zur Cholerakapelle am 15. August 1878 ist "bei 40 Personen
stark".- Am 21. September 1878 erhält die Kirche von der Familie des
Herrn Wenzeslaus Kole(ek, k. k. Oberinspector der General-Inspection der österreichischen
Eisenbahnen, "ein silberplattiertes Rauchfaß samt Schifferl."
"Im Winter von 1878-1879 wird die erste Brunnenstube (Quelle) auf
einer zum Haus Nr. 36 gehörigen Wiese ausgeräumt und mit einem Pfosten überdeckt,
daß gleichend die erste Öffnung (oben auf dem zum Hause Nr. 17 gehörigen
Acker) bloß gelegt und gut ausgeräumt, - und die eisernen Röhren von dieser
Öffnung an bis zur Brunnenstube (an der südwestlichen Ecke des pfarrlichen
Gartens - aber außerhalb dieses Gartens) mittels der Reinigungskette gut
gereiniget." - Überrascht bin ich über die Beichtgelegenheit ab 5 Uhr
morgens anläßlich eines Jubiläums Seiner Heiligkeit Leo XIII. von
Osterdienstag bis Pfingstsonntag von 5-7 Uhr täglich an Wochentagen an
Sonntagen von 5-8 Uhr, an Samstagen von 5-7 Uhr vormittags und 5-8 Uhr
nachmittags.
Vom 15.-31. Juli 1880 wird die Friedhofsmauer ausgebessert und ein
neues Gittertor eingesetzt. Genau die Hälfte der Maurerarbeiten zahlte der
ehemalige Wirtschaftsbesitzer Joseph Sporrer Nr. 12 allein, die andere Hälfte
die "löbliche Pfarrgemeinde Sittendorf". - Vom 7.-10. August wurde
die gesamte Wetterseite der Kirche außen (auf der rechten Seite vom
Haupteingang aus) abgeschlagen und mit "hydraulischem Kalke"
angeworfen und gelb angestrichen." Damit steht fest, die Lieblingsfarbe
unserer Kirche ist gelb. Das ist die Erstnennung in der Chronik, was die Außenfarbe
unserer Kirche betrifft.
Das ist eine Enttäuschung: jetzt sind immer noch hölzerne
Wasserleitungsrohre nach der Eintragung vom Mai 1881 im Pfarrhofgarten. Ich wähnte
bereits eiserne dort zu haben!
Seit 1. Juli 1882 ist Rohrberg und Vogelgraben von Sittendorf
"ausgepfaret" und nach Sulz "eingepfaret" worden. -
"Am 8. Oktober <1882> fand eine Einweihung der neu gegründeten
Schule in Sparbach statt; die Sparbacher Kinder kommen von da an nicht mehr
nach Sittendorf in die Schule; der Religionsunterricht wird von Gaden aus
besorgt. - Im Herbste wurde ein neues Vorhaus <vor das Pfarrhaus>
hergestellt."
1886 wird die Orgel von Herrn Johann Kaufmann in Wien, Mariahilf,
Stumpergasse 48 repariert. Es wurden "die kreischenden Stimmen
herausgenommen und durch sanfte (Gamba und Gedeckt) ersetzt." -
"Nachträglich sei noch zum Punkt Orgel bemerkt, daß durch die
Anbringung der 2 sanften Register der ganze Orgelkasten mit Pfeifen
vollgestopft wurde und der Organist zum Altare nicht sehen konnte. Mithin
wurde zu einem Spiegel Zuflucht genommen, wie er jetzt angebracht ist und so
kann man vom Sitze der <Orgel> mittels des Spiegels zum Altare
sehen."_
P. Leopold Je(abek schreibt: "Es kommt einem sehr schwer vor
dieses Jahr <1891> mit einem Trauerspiel zu beginnen. Indessen es muß
sein. - Durch die Schlauheit der Dornbacher einerseits und durch die Lauheit
der Sittendorfer andererseits wurde in dem Jahr 1891 die ganze
Gemeindevertretung (durch Wahl) nach Dornbach verlegt. Der Sitz des
Ortsschulrates ist jedoch Sittendorf. Die Wasserleitung in der Gemeinde wurde
neu hergestellt. Die frühere größtenteils schadhaften Holzröhren wurden
durch gußeisene ersetzt. Die Quelle unter der Kirche wurde gedeckt und
geschlossen und mit einer Pumpe zum Gebrauche für die umliegenden Häuser
versehen."_ - Auch die Pfarrhofwasserleitung erhält Eisenrohre und wird
bis zur Quelle beschrieben. - "Die Zeit war regnerisch windig und darauf
kalt. Bei diesen starken Winden hat sich das Turmkreuz umgebogen und blieb in
dieser schiefen Stellung bis zum 30. Jänner 1892, an welchem Tage es samt der
Kugel um die Mittagszeit nach dem Läuten (5 Minuten) herabfiel." Das
Dekanat Heiligenkreuz wird geschaffen, zu dem Sittendorf nun gehört, die
Kirche innen und außen ganz gefärbelt, die morschen Kirchenstühle erneuert,
teilweise das Kirchendach ausgebessert, das Loch_ zur Gruft geöffnet,
"der ganze Schutt herausgeschafft und durchgeworfen. Dabei fand man von
einer Menge Kleingebein einen ziemlich gut erhaltenen Rumpf eines Neudecker
Ritters zu Wildegg samt Schädel und 2 andere scheinbar neueren Datums, einer
davon durchgesägt und gut erhalten._ Alles wurde auf einer hölzernen Bank,
die der Schreiber machen ließ, gebracht, aufgestellt und die Öffnung
vermauert. Ferner fanden sich vor die 5 kupfernen Aufschrifttafeln der Ritter
von Neudeck, wovon 2 sehr gut erhalten und leserlich sind."_ Schließlich
wird noch der Fund eines goldenen Ringes und einer Goldmünze vermerkt._
P. Leopold Je(abek war "auch als Cassier bei der hiesigen
Feuerwehr tätig."_ Auch sein Nachfolger P. Heinrich Sekyra wurde
"zum Cassier der Feuerwehr gewählt"._ - "Am 13. September
<1903> hat Sr. Gnaden, der Hochw. Hr. Prälat Dr. Gregor Pöck bei
unfreundlicher Witterung und bei ausgespannten Regenschirmen das neue
Friedhofskreuz eingeweiht."_
Im Jahr 1907 vermerkt bereits Pfarrer Hugo Presch, daß der Wiener
Fabrikant Robert Bergmann und seine Gemahlin Ida, die oberhalb der Waldvilla
(e(ula, am Rande des Füllenbergerwaldes eine kleine Villa erbauten, den
"lieben Sittendorfern" eine zwei Zifferblätter aufweisende Turmuhr
im Werte von 1200 Kronen zum Geschenk machten. Erneut wurde die Orgel vollständig
repariert._
1908 wurde der Seitenaltar durch einen neuen ersetzt, das angebliche
Modell des früheren Heiligenkreuzer Hochaltares wegen gründlicher Reparatur
entfernt._ Am 1. Juli desselben Jahres wurde die "Visitation und
Religionsprüfung der Schulkinder" durch Weihbischof Dr. Godfried
Marschall mit Triumphbogen am Eingang des Dorfes, weißgekleidetem Schulkind,
Musikkapelle, Böllerschüssen, Fahnen und Girlanden reichlich geschmückten
Straße begangen._
P. Marian Chocensky vermerkt, daß am 27. August 1910 seine Schwester,
Frau Sofio von Gadzi(ski, Hauptmannsgattin in Krakau, nachdem sie 11 Wochen
bei ihm gewohnt hat, ein weißes Meßkleid mit Goldstickereien im Wert von 350
Kronen spendete._ - Bei der Volkszählung am 31. Dezember 1910 zählte die
Gemeinde Sittendorf 508 Einwohner, Dornbach 224, Sittendorf 284. Zu Beginn des
Schuljahres 1919/11 zählte die hiesige Volksschule 108 Kinder, 35 Knaben und
53 Mädchen. Im Jahr 1910 wurden 4 Paare getraut und 1 Paar zur Trauung nach
Maria - Taferl entlassen. Legitimiert wurden 5 Kinder, geboren 15, darunter 1
totgeborenes und 1 bloß notgetauftes, 7 Personen sind gestorbenen, darunter 1
Ortsfremder._
In der Ortschulratsitzung vom 22. Jänner 1911 verlangen die Dornbacher
die sofortige Errichtung einer Filialschule in Dornbach; schließlich wird
beschlossen, die verlangte Schule erst nach 3 Jahren ins Leben zu rufen, bis nämlich
die auf der Sittendorfer Schule lastenden Schulden getilgt sind._
Einige Seiten danach findet sich die Eintragung: "Am 27. Juni.
<1911> abends wurde die verheiratete Ausnehmerin Theresia Lintinger,
eine dem Alkohol und dem Tabak frönende Greisin in ihrem Zimmer tot
aufgefunden, nachdem sie sich noch im Laufe des Nachmittags ihr geliebtes
Rumfläschchen beim Kaufmann hatte frisch einfüllen lassen."_
Am 11. November 1912 verstarb der hiesige Schulleiter Rudolf Bittmann
nach sechstägigem Krankenlager an Lungenentzündung. Am 3. November versah er
noch den Chordienst, am 6. November erteilte er den letzten Unterricht. Sein
Begräbnis war am 13. November; der Gaadener Kirchenchor sang Trauerlieder,
der Oberlehrer von Gaaden Leopold Schneider hielt einen Nachruf, "der
kein Auge trocken ließ". Rudolf Bittman war Absolvent des Brünner
Gymnasiums, hatte anscheinend wiederholt "domesticas controversias cum
uxore sua", d.h. "häusliche Auseinandersetzungen mit seiner
Frau", starb im 50. Lebensjahr und hinterließ eine Witwe mit 3 größeren,
aber noch unversorgten Kindern._ - Am 24. Februar 1913 bekam die hiesige
Volksschule eine neuen Schulleiter in der Person des Herrn Josef Reis, der
seit 16. November 1912 zur aushilfsweisen Dienstleistung der Schule in
Sittendorf zugewiesen war. Der neue Schulleiter wird als "sehr
musikalisch" beschrieben, der "die Orgel tadellos spielt" und
"den Kirchengesang in der kürzesten Zeit ganz bedeutend gehoben"
hat._ Daraufhin wird Ende April 1913 die Orgel der hiesigen Pfarrkirche von
der Firma Josef Ullmann und Sohn in Wien einer gründlichen Reparatur
unterzogen, der Blasebalg wurde neu beledert, ein neues Pedal eingesetzt, das
Spielwerk ausgestaubt und neu gestimmt._
Am 10. Mai 1913 verstarb im 74. Lebensjahre an Magenkrebs im Pfarrhof
die Mutter des hiesigen Pfarrers P. Marian Chocensky, Frau Anna Chocensky,
geborene Kaufich, Kaufmannswitwe. Sie wurde von ihrem Sohn im hiesigen
Ortsfriedhof am 12. Mai bestattet._
In der Zeit vom 10. Oktober bis 14. November 1913 herrschte in unserer
Pfarre die Maul- und Klauenseuche._
Am 31. Juli 1914 wurde durch ein Telegramm auch in Sittendorf die
allgemeine Mobilisierung angeordnet. Die Entsprechenden Angaben fehlen, weil
der Schreiber anscheinend nachfragen wollte und für die entsprechenden Zahlen
im Text einen entsprechenden Platz aussparte, der aber bis heute leer blieb.
Am 20. August wurde auch das zweite Aufgebot, die 37 - 42 jährigen
Landsturmpflichtigen einberufen, die in entsprechenden Etappen einrücken mußten.
Bis zum 27. November sind von der Gemeinde Sittendorf 46 Männer der Jahrgänge
1872 - 1893 eingerückt, darunter auch der hiesige Schulleiter Josef Reis und
der hiesige Mesner Anton Beer._ - P. Marian, der neben zahlreichen sonderbaren
Wetter- und Ernteberichten ebensoviele Zeitungsausschnitte in die Chronik
klebte, bringt zwei mit der Überschrift Sittendorf. Der erste berichtet über
eine hochherzige patriotische Tat. Der Wiener Hof- und Gerichtsadvokat Dr.
August Periz, der die Sommermonate schon seit einer Reihe von Jahren in
unserem stillen Orte verlebt stellt den armen Familien in Sittendorf und
Dornbach, die Kriegsteilnehmer hat, "für die Dauer des Feldzuges"
monatlich im ganzen 500 Kronen zu Verfügung, die durch das Bürgermeisteramt
zu Auszahlung gelangen. - Der zweite Zeitungsausschnitt vermeldet, daß die
Holzhauerswitwe Frau Josefa Mathauser, Kleinhäuslerin in Sittendorf sieben Söhne
als Soldaten einberufen hat.
Die Schule beginnt mit dem Aushilfslehrer Hans Wallisch "ganz
normal". - Die Kriegsanleihe wird erwähnt, Schulkinder sammeln
Weihnachtsgaben für die "im Felde stehenden Krieger". Von den
Schulmädchen werden Schneehauben, Puls- und Kniewärmer für die Soldaten
verfertigt._ - An Stelle des interimistischen Schulleiters Hans Wallisch, der
zum Waffendienst einberufen wird, kommt 1915 Karl Schwabl, geb. 1888, der
bisher in Mödling an Schulen tätig war. - In Wien grassieren die Blattern,
man läßt sich dagegen impfen._ - Am 11. Februar 1915 stirbt im Stift
Heiligenkreuz mit 45 Jahren Dr. phil. P. Florian Watzl, der wiederholt in
Sittendorf die Fronleichnams-Prozession hielt oder predigte._ - Im April 1915
wird durch die Schuljugend die "patriotische Kriegsmetallsammlung"
durchgeführt, alle entbehrlichen Metallgegenstände abgegeben, was 13 kg
Kupfer, 45 kg Messing, 65 kg Blei und 9 kg Unsortiertes ergab._ - Bald danach
werden die Lebensmittel rationiert, man beginnt beim Brot: Brotkarten werden
von der Gemeinde ausgegeben._ - Am 16. Mai 1915 wird erneut der Schulbau in
Dornbach in einer Ortsschulratssitzung verschoben._ - 12 - 14. jährige, die
in der Landwirtschaft helfen, brauchen nicht in die Schule gehen, was alle
"Faulpelze und Schulstürzer" ausnützen. Die Landsturmpflicht wird
bis zum 50. Lebensjahr ausgedehnt (früher bis zum 42. vollendeten)._ - Da der
Pfarrverweser von Gaaden P. Alberik Rabensteiner freiwillig zum Felddienst
meldete, übernimmt der Sittendorfer Pfarrverweser P. Marian Chocensky die
Seelsorge, Kanzlei und Religionsstunden in Gaaden und Sparbach. Der
provisorische Schulleiter Karl Schwabl wird zum Bürgerschullehrer in Mödling
befördert, die hiesige Schulleiterstelle übernimmt Arthur Haselrieder (geb.
7. Oktober 1893 in Fischamend und nach Wien zuständig), kann jedoch nicht die
Orgel spielen und so kommt ein Stiftskleriker des 3. Jahrganges Frater
Malachias Konwalina an Sonn- und Feiertagen, um die "Königin der
Instrumente" zu spielen._ - Vom 29. September - 2. Oktober wird eine
Sammlung von Wolle, Kleidern, Strümpfen, Unterwäsche, Teppichen und alle
Arten Kautschuk fürs Militär durchgeführt._ - 30 Kriegsgefangene Russen übernehmen
in Heiligenkreuz Feld- und Waldarbeiten und bewähren sich ganz gut._ Anschließend
liest man von Preissteigerungen, Wuchergesetzen, Höchstpreisverordnungen und
der dritten Kriegsanleihe._ - Anfangs Jänner 1916 stellt der hiesige Jagdpächter
Dr. August Periz seine oben erwähnte Unterstützung ein, weil sie teilweise
mißbraucht wurde._ - "Am Ostersonntag wurde hier eine vierstimmige Messe
aufgeführt (der Kleriker Fr. Malachias, der Familiar des Stiftes Hermann
Nigg, Fräulein Rosa Hirsch_ und ein Sängerknabe); für unseren Ort ein
Ereignis."_ - Am 30. April 1916 wird die Sommerzeit eingeführt._ - Am
15. Mai 1916 übernimmt der hiesige Schulleiter Josef Reis wieder seinen
Dienst. Am 27. Juli 1914 einberufen, nahm er an den Kämpfen gegen Serbien
teil, wo er am 18. November 1914 verwundet wurde: Durchschuß der linken Hand,
des Magenmundes und der rechten Lunge und beim Rücktransport Erfrierung der
beiden Füße. Infolge der Steifheit der linken Hand konnte er den Chordienst
nicht übernehmen. - Die vierte Kriegsanleihe wird erwähnt, die den Sieg
verheißt._ Am 25. Juni 1916 hält der Hohenfurther Professor in
Heiligenkreuzer P. Dr. Josef Tibitanzl die Fronleichnams-Prozession._ - Erneut
wird eine Metallsammlung durchgeführt und am Sonntag, den 30. Juli 1916, also
am zweiten Jahrestag des Kriegsbeginnes, eine Generalkommunion der Schulkinder
nach der Meinung des Heiligen Vaters "um Erlangung eines baldigen
Friedens" veranstaltet. In Sittendorf gingen 50 Kinder zu den heiligen
Sakramenten._ - Die Erhöhung des Bierpreises, die polizeiliche Besichtigung
in Privathaushaltungen an fleischlosen Tagen - nun Montag, Mittwoch, Freitag -
und die Einführung der Fettkarten scheinen den Chronikschreiber empfindlich
geschmerzt zu haben. - Die bereits erwähnte - nun 60 jährige Frau Johanna
Mathauser - hat jetzt neun Söhne im Feld. Frau Mathauser erhält am 9.
September den Besuch Ihrer k. Hoheit der Erzherzogin Isabella, der Gemahlin
des Feldmarschalls Erzherzogs Friedrich, die ihr eine Hundertkronennote überreicht._
- Steuerzuschläge, eine Zündmittelsteuer, "wucherische Zurückhaltung"
und neue Briefmarken werden beschrieben. - P. Dr. Alois Wiesinger - der spätere
Abt von Schlierbach - wird nun stabiler Seelsorger in Gaaden, dem Sittendorfer
Pfarrer P. Marian Chocensky bleibt jedoch die Katechetenstelle in Sparbach._ -
Es folgen Abgaben, Sammlungen, das Verbot der Gräberbeleuchtung zu
Allerseelen, die Wiedererrichtung des Königreiches Polen_, das Angebot, die
5. Kriegsanleihe zu zeichnen und der Tod des Kaisers Franz Josef im Schönbrunner
Schloß am 21. November 1916 um 9 Uhr abends im 86 Jahr seines Lebens (geb.
18. August 1830) und dem 68 Jahr seiner Regierung (seit 2. September 1848).
Inmitten von Fieberqualen hat er sich noch am letzten Tage seines Lebens zur
Arbeit gezwungen und nachdem er über sein Verlangen um 6 Uhr abends zu Bett
gebracht worden war, ordnete er an, am nächsten Tage um ½ 4 Uhr früh
geweckt zu werden, welcher Befehl jedoch nicht mehr ausgeführt werden konnte.
Am 30. November, dem Begräbnistag Seiner Majestät fand in Sittendorf ein
feierliches Requiem mit Libera statt. Der derzeitige Organist Frater Ottokar
aus dem Stift Heiligenkreuz führte mit noch 2 Klerikern eine dreistimmige
Messe auf._ Durch eine spätere Notiz, erfährt man, daß Frater Ottokar den
Familienname Holzer trägt und am Weihnachtstag 1916 mit den hiesigen Chorsängerinnen,
zumeist Schulmädchen eine vollständige lateinische Messe
"exekutierte".
1917 hat es in der Kirche minus 2 Grad; das Weihwasser im Holzbottich
war bis zum 27. März eingefroren! - Einige Seiten darauffolgend ist zu lesen:
"Da es an Mehl, Brot und Erdäpfeln auch auf dem Lande mangelt, ist die
Not schon eine ganz arge, das Durchhalten wird immer schwieriger. Interessant
ist die Tatsache, daß man auch Pflanzen, die bisher als Unkraut bekannt
waren, wie Brennessel, Allium ursinum, Bärenlauch (übrigens ein guter
Spinatersatz) als Gemüse verwendet werden."
"Am 23. Februar 1917 nach der 1. diesjährigen Kreuzwegandacht
wurden von den 3 Glocken unserer Kirche zwei zum Kriegsdienste einberufen. Die
Abnahme vollzog sich ohne jede Vorarbeit oder Gerüstaufstellung in dem
Zeitraume von einer knappen ½ Stunde. Die beiden Glocken wurden in der
Glockenstube abmontiert und sodann durch das Turmfenster hinabgeworfen. Bei
diesem ‘Fenstersturze’ ging die größere, die - weil zersprungen - schon
lange Zeit nicht mehr geläutet wurde, in Trümmer, während die kleinere
unversehrt blieb. Die größere Glocke, 68 cm Durchmesser und 147 Kilogramm
schwer mit dem Relief ‘Christus am Kreuz’ wurde im Jahre 1892 von Peter
Hilzer in Wr. Neustadt gegossen, die kleinere, 44 cm, 49 kg schwer mit dem
Relief ‘Christus am Kreuze und Maria mit dem Jesukinde’ stammt aus den
Jahren 1837, gegossen von Jakob Korrentsch in Wien. Die einzige noch
verbliebene mittlere Glocke 52 cm mit dem Relief ‘Madonna mit dem Kinde’
(Peter Hilzer 1863) wurde somit ‘ancilla pro omnibus’."_ - "Ein
Paket Landtabak wird künftighin aus vier Fünftel Tabak und einem Fünftel
Birkenblättern bestehen," meldet ein Zeitungsausschnitt. - "Nun
klappern viele Kinder mit schweren Schuhen daher, deren Oberleder ganz roh und
deren Sohlen aus Holz sind. Selbst diese plumpen Surrogate sind teuerer als
die feinsten Lederschuhe ante bellum <vor dem Krieg>."_ - Am
Ostermontag wird die Bevölkerung vor Sabotageakten feindlicher Agenten von
der Kanzel aus gewarnt. - Erzbischof Friedrich Gustav Piffl ordnet an, daß
bei den diesjährigen Firmungen kein Patenzwang besteht, da sonst viele
Firmlinge der Firmung fernblieben, zumal es in diesen so teuren Zeiten an
Paten mangelt._ - Eine 6. Kriegsanleihe wird auch in Sittendorf angeboten._ Eine sehr unliebsame Begleiterscheinung
dieser unseligen Kriegszeit ist das Überhandnehmen von Eigentumsdelikten, wie
Einbrüchen, Feld- und Gartendiebstählen. Auch unser Ort wird von
Diebsgesellen heimgesucht, denen es wiederholt gelingt, in manchen Bauernhäusern
eine ganz respektable Beute zu machen. So wird dem hiesigen Bauer Franz
Maschla 30 kg Schweineschmalz, in diesen Zeiten ein gar kostbarer und auch
nicht um Geld zu habender Artikel, Selchfleisch, Eier im Werte von 600 Kronen
gestohlen, unserer Nachbarin, der Theresia Mathauser wird ein lebendes
Jungschwein entführt und der hiesigen Stiftsgasthauspächterin Maria Größing
ein Bienenstock entwendet! Den größten Unwillen aber erregen die zahlreichen
Feldplünderungen, zumeist zur nächtlichen Zeit, bei welchen es die Diebe
namentlich auf die heuer so raren Kartoffeln abgesehen haben, die - wenn auch
noch unreif - zu Hunderten herausgerissen werden; auch Getreideähren werden
"requiriert", d. h. mittels Scheren abgeschnitten. Nicht bloß arme,
sondern auch reiche Leute nehmen an diesen Diebstählen teil, gegen die auch
die Flurwache machtlos ist. Auch im hiesigen Pfarrgarten wird am 20. August
gerade um die Mittagszeit ein junger akademischer Maler aus Wien, et quidem ex
honesta familia oriundus <aus einer ehrenwerten Familie>, beim
Obstdiebstahl erwischt und dem Bürgermeister überstellt, der ihm den wohlgefüllten
Rucksack - der in diesen Zeiten eine sehr wichtige Rolle spielt - abnahm und
eine Geldstrafe von 10 Kronen auferlegt. Die Eisenbahndiebstähle sind auch an
der Tagesordnung, nicht bloß einzelne Frachtgüter, Kisten und Gepäckstücke,
zumal wenn Eßwaren, Wäsche, Kleider und Schuhe enthalten sind, werden
spoliiert <geplündert>, sondern auch ganze Waggons, wenn auch
plombiert, erbrochen und ausgeraubt. Anfangs Oktober werden aus der
elektrischen Kraftanlage von Mödlinger - Hinterbrühler Straßenbahn der
kostbare Treibriemen entwendet und von den Dieben behufs Sohlenledergewinnung
zerstückelt. Infolgedessen bleibt der Betrieb dieser auch für Sittendorf so
wichtigen Strecke durch 2 Tage eingestellt. Durch die Unvorsichtigkeit eines rauchenden
Grasmähers entsteht am 24. August um 5 Uhr nachmittags in der Neukultur des
unseren Ort überragenden "kleinen Buchkogels" vulgo
"Schusterkogels" ein Brand, der sich bei der nun herrschenden Dürre
und Trockenheit unheimlich schnell ausbreitet und den angrenzenden Jungwald
ergreift, in welchem er sich gerade in die Richtung gegen die Waldvilla und
den Pfarrhof Bahn zu brechen sucht. Nur durch das zielbewußte Zusammenwirken
der Ortsinsassen, die sich ohne Unterschied der Stellung, des Alters und
Geschlechtes an der Eindämmung des Brandes eifrigst beteiligt, gelingt es,
das gefräßige Element in seinem verheerenden Laufe aufzuhalten und zu dämpfen.
Die von Heiligenkreuz, Sulz, Sparbach und Gaaden herbeigeeilten Feuerwehren
besorgen das Ablöschen der zahlreichen noch glimmenden Baumstümpfe. Als ein
großes Glück muß es bezeichnet werden, daß der tagsüber so heftig wehende
Wind gerade zur Zeit des Brandes aussetzt, sonst wäre wohl Sittendorf ein
Raub der Flammen geworden. Am Anbetungstag 5. Oktober 1917 wird
erstmals als hiesiger Regenschori ein Herr Hornschall genannt. - Etliche
Seiten danach erfährt man, daß Johann Hornschall bereits 68 Jahre alt ist,
1849 in Kaltenleutgeben geboren, das Schusterhandwerk erlernte und dann als
Musiker jahrelang in der Kurkapelle in Kaltenleutgeben und sodann in
Sauerbrunn tätig war und seit anfang Mai in Sittendorf als Organist und
Regenschori agiert. - In den Monaten November und Dezember 1917 wird die 7.
Kriegsanleihe zur Zeichnung aufgelegt. Anfangs Februar 1918 stoßt der stiftliche
Forstadjunkt von Siegenfeld anläßlich eines Pirschganges in dem einerseits
von der Gaadener- und andererseits von der Sittendorfer - Heiligenkreuzerstraße
begrenzten Wald auf einem im Dickicht versteckten, feldmäßig angelegten
Unterstand, in dem zwei entsprungene russische Kriegsgefangene hausten, die -
als sie sich ertappt sehen - sofort das Weite suchen und leider nicht
eingeholt werden können. Die genauer Durchsuchung ihres wohnlich
eingerichteten und mit Tür und Fenster versehenen Waldquartiers fördert
viele Gegenstände zu Tage, die von den in Sittendorf und der nächsten
Umgebung verübten Einbrüchen und Diebstählen herrühren. Nach der
Austreibung dieser "spelunca latronum" <Räuberhöhle> hören
wie mit einem Schlage die Einbrüche auf, um einige Wochen später ihre
Fortsetzung zu finden. Daß es den beiden Troglodyten <Höhlenbewohner>
recht gut ging, beweist der große Knochenhaufen nächst ihres Heimes._ Daß wir in einer höchst kritischen Zeit leben, bezeugen die vielen Beschlagnahmungen oder - nobler ausgedrückt - Requisitionen, von welchen nicht einmal die Kirchen verschont bleiben. Nachdem im Vorjahrs 2/3 der Kirchenglocken abgeliefert werden mußten, kommen heuer die Prospektzinnpfeifen der Kirchenorgeln an die Reihe. Bei uns erfolgt der Ausbau der betreffenden Zinnpfeifen - Prinzipal 8 Fuß - durch den Orgelbauer Josef Ullmann, Wien VIII, Lederergasse 28 "Mölkerhof". Die Metallausbeute der eingezogenen 27 Pfeifen beträgt 18 kg 70 dkg; vergütet wurden sie vom k. u. k. Kriegsministerium mit nur 15 Kronen pro kg! - Im Handel kostet 1 kg Zinn 80-100 Kronen. Anfänglich sollten nur die Prospektpfeifen der Orgeln mit mehr als 8 Registern_ der Beschlagnahme verfallen, später aber wird die Inanspruchnahme auf alle Orgeln ohne Unterschied der Registerzahl ausgedehnt; nur jene Werke, die einen besonderen kunsthistorischen oder musikalisch künstlerischen Wert besitzen, werden geschont. Aus diesem Grunde bleiben die beiden Orgeln in Heiligenkreuz völlig intakt. Bei uns erfolgt der Ausbau am 5. A |