Unsere letzte Produktion "Othello darf nicht platzen", haben
wir mit einem Gastspiel im Stift Augustinum, in Wien Oberlaa, sehr erfolgreich
abgeschlossen. Das Agieren auf einer richtigen großen Bühne, war für uns eine echte
Herausforderung und ein unvergeßliches Erlebnis.
Seit Jänner proben wir aber schon wieder ein neues Stück,
welches wir Ende Mai aufführen werden. Es handelt sich dabei um das Stück des
französischen Autors Alfred Hennequin, "Die schwarze Katze im Sack", die am
19.Juni 1875 in Paris im Théathre du Vaudevilles, zur Uraufführung kam.
Die herzerfrischenden, fröhlichen freien und vor allem
einfallsreich begabten französischen Lustspielautoren des 19. Jahrhunderts wurden dem
deutschsprachigem Publikum lange Zeit vorenthalten.
Theodor Fontane beschreibt den Einfluß eines preußischen Offiziers,
Herr von Hülsen, der Generalintendant der preußischen Hoftheater wurde so: "Gegen
die französische Richtung und ihre deutsche Gefolgschaft hat er Front gemacht. Er
(war) in seiner Amtseinführung als brüsk und schroff oder mindestens als herbe Natur
angesehen
" Das was man Humor nennt, war ihm also nicht unbedingt nachzusagen.
Den Grund warum Herr von Hülsen die französischen Lustspiele für die
deutschen Bühnen ablehnte, erklärte er mit preußischer Klarheit: "Ich sehe es als
den Hauptvorzug meiner Verwaltung an, an diesen Stücken vorbeigegangen zu sein!"
Garantiert deutsche Lustspielautoren mußten die französischen
Boulevardautoren ersetzten: G.Moser, der nach Berlin übersiedelte Österreicher Franz von
Schönthan ("Der Raub der Sabinerinnen"), sowie der ehemalige Vielschreiber
Roderich Bendix.
Roderich Bendix muß die "heimliche deutsch französische
Zusammenarbeit" schon geschickter angestellt haben, zumindest hatte er das Glück,
daß man sie nicht merkte. Noch 1881 hatte er auf der Berliner Königlichen Bühne einen
großen Erfolg mit seinem Lustspiel "Das Gefängnis". Aber immerhin schon 1872
war am "Theater an der Wien" die Premiere "Die Fledermaus" von Johann
Strauß. Den Stoff dazu lieferten die Librettisten Meilhac und Halévy (gestorben 1908),
die mit ihrem noch nicht vertonten Lustspiel "Reveillion" im Théatre du Palais
Royal schon 1872 einen riesen Erfolg hatten....!!..."Das Gefängnis und "La
Reveillion" haben in der Handlung verblüffende Ähnlichkeiten....
Dabei waren die Ideen der französischen Schwankautoren schon längst
über die Hintertüren der deutschen Bühnen vor das deutsche Publikum gelangt. Mit Erfolg
!
Es ist heute kein Geheimnis mehr, daß J.N. Nestroy viele seiner Stoffe
aus dem Französischen entlehnt hat: - "Der Talisman" wurde von ihm nach einem
Vaudeville (Lustspiel) "Bonaventure" von Duperty und de Coucy bearbeitet.
"Das Mädel aus der Vorstadt" stammt von Paul de Kock und hatte den Titel
"La jolie fille du Faubourg". "Der Zerrissene" hieß im
französischen Vorbild "Lhomme blasé" von Duvert und Lauranne.
Als dann Jaques Offenbach seine erste Operette schuf, die auch
textliche Quellen aus den Köpfen der großen französischen Gagmeister brauchte,
übersprang man die Zensur der deutschen Schauspielbühnen mit elegantem Can-Can...!
Zu den in der zweiten Hälfte des19.Jahrhunderts in Paris am meisten
gespielten Lustspielautoren gehörten: Eugéne Labiche, Henri Brecque, Emile de Najac und
Alfred Hennequin.
Labiche wurde von den deutschen Bühnen als erster französischer Autor
seiner Zeit gespielt: Seine Stücke vermeiden "grobe Schlüpfrigkeit" . Er war
in seinem Privatleben auch immer darauf bedacht sein "Niveau" und damit seine
enge Verbindung zur Gesellschaft von Paris zu erhalten. 1880 wurde er Mitglied der
französischen Akademie.
Alfred Hennequin, der Autor unserer Produktion, machte jedoch in seinen
unzähligen Schwänken, Vaudevilles (Lustspiele) und Librettos keinerlei Konzessionen
gegenüber bürgerlichen verlogenen Moralbegriffen; er war der unbestechlichste der
damals gängigen Autoren. Seine Stücke wurden übrigens erst lange nach seinem Tode im
deutschsprachigen Raum "angezapft"....Hennequin hatte im Jahr 1876 (am17.April)
die erfolgreiche Premiere seines Stückes "Les Dominos Roses" (Die rosa
Dominions) Am 5.Februar 1898 hatte Richard Herberer seine Premiere von der
"Opernball"; als Autoren zeichneten Victor Léon und Hugo Waldberg. Die
Handlungen decken sich....
Doch noch mehr Autoren profitierten von Henneqins Ideenreichtum. Auch
der 20 Jahre jüngere Feydeau.
Alfred Hennequin der manchmal mit Najac zusammenarbeitete, wurde am
13.1.1842 in Liége (Lüttich) geboren. Er brachte es zum Ingenieur bei den belgischen
Staatsbahnen und schrieb unter dem Pseudonym Alfred Lebrun in Brüssel seine ersten
Schwänke.
Sein Entschluß die Beamtenlaufbahn aufzugeben und nach Paris zu gehen,
um dort als Autor zu arbeiten, machte sich für ihn bezahlt. Er wurde bald Gegenpol
zu Labiche. Seine Stücke waren immer erfolgreich und ausverkauft; gesellschaftsfähig
wurde er allerdings nie. Darauf legte er auch keinen besonderen Wert. Er trank gern
und viel und starb schon am 7.8.1887 in Epinay. Man weiß nicht woran er starb, aber er
soll dabei sehr fröhlich gewesen sein...
Er hinterließ einen Sohn: Maurice Hennequin. Sein Vater Alfred
lehnte es ab, der französischen Verlags -Gewerkschaft Societe beizutreten.
Kaum war Vater Alfred im fröhlichem Jenseits, trat Maurice der Societe bei und hatte sehr
bald als Autor große Erfolge; besonders mit dem Schwank "...was zu
verzollen...?" auch in diesem Schwank spielt die Eisenbahn eine große Rolle. Wie bei
den meisten Schwänken seines Vaters und...bei der Operette "Der Opernball".
Wir haben dieses Stück ausgesucht, weil wir bemüht sind keine seichte
Unterhaltung zu bieten. Das Stück ist lustig und humorig, aber anspruchsvoll. Wir wollen
auch Stücke die zur Theatergeschichte gehören bringen, Theaterstücke also die sie
wahrscheinlich noch nicht kennen. Nun freuen wir uns auf die Probenzeit aber natürlich
besonders auf die Aufführungen vor unserem lieben Publikum.